28. März 2026
13-2026
DAX unter Druck:
Ölpreisschock, Iran-Krieg und schwache US-Börsen

Rückblick auf die Börsenwoche
Die internationalen Aktienmärkte haben ihre jüngste Schwächephase in der vergangenen Woche fortgesetzt. Vor allem die erneut deutlich steigenden Ölpreise sorgten für Zurückhaltung bei den Anlegern. Der Preis für die Nordseesorte Brent kletterte zeitweise klar über die Marke von 110 US-Dollar je Barrel und bleibt damit der wichtigste Gradmesser für die aktuellen Inflations- und Konjunktursorgen an den Finanzmärkten.
Der deutsche Leitindex DAX konnte sich diesem Umfeld nicht entziehen und gab zum Wochenschluss deutlich nach. Nach einem zunächst stabilen Start drehte der Index im Tagesverlauf ins Minus und schloss schließlich bei rund 22.300 Punkten. Auf Wochensicht fiel das Minus mit rund 0,4 Prozent zwar moderat aus, doch die Nervosität bleibt hoch. Bereits zu Wochenbeginn hatte der Markt gezeigt, wie fragil die Lage derzeit ist: Innerhalb eines Tages schwankte der DAX um mehr als 1.300 Punkte zwischen rund 21.860 und über 23.100 Punkten.
Charttechnisch bewegt sich der deutsche Leitindex damit weiterhin in einer breiten Konsolidierungszone. Die Unterseite wird aktuell durch den Bereich um 21.800 Punkte definiert – das bisherige Kriegstief. Auf der Oberseite bildet die Zone um 23.200 Punkte den ersten wichtigen Widerstand. Solange der Markt innerhalb dieser Spanne verharrt, dominieren kurzfristige Richtungswechsel und hohe Volatilität.
Noch schwächer präsentierten sich erneut die Nebenwerte. Der MDAX verlor am Freitag mehr als zwei Prozent und liegt damit weiterhin deutlich unter den Niveaus zu Jahresbeginn. Gerade in unsicheren Marktphasen geraten kleinere und weniger liquide Werte häufig stärker unter Druck als große Standardwerte.
Auch an den europäischen Börsen überwog die Vorsicht. Der EuroStoxx 50 gab zum Wochenschluss mehr als ein Prozent nach, während der britische FTSE 100 dank seiner rohstofflastigen Indexstruktur etwas stabiler blieb.
An der Wall Street setzte sich die jüngste Schwächephase ebenfalls fort. Der Dow Jones Industrial, der S&P 500 und insbesondere der technologielastige Nasdaq 100 mussten erneut Verluste hinnehmen. Während der Dow im Wochenverlauf noch vergleichsweise stabil blieb, verzeichnete der Nasdaq 100 mit einem Minus von über drei Prozent bereits die fünfte negative Woche in Folge. Für den breiten S&P 500 bedeutet die aktuelle Serie sogar die längste Verlustphase seit dem Jahr 2022.
Markttechnisch haben sich damit auch in den USA erste Ermüdungserscheinungen nach der starken Rallye der vergangenen Jahre gezeigt. Vor allem wachstumsstarke Technologieaktien reagieren empfindlich auf steigende Zinsen und erhöhte geopolitische Risiken.

Was die Märkte aktuell bewegt
Im Zentrum des Marktgeschehens steht weiterhin der Krieg zwischen Israel und dem Iran sowie die damit verbundenen Risiken für den globalen Energiemarkt.
Besonders im Fokus steht dabei die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölhandel. Die teilweise Blockade dieser Meerenge sorgt für erhebliche Unsicherheit an den Rohstoffmärkten. Berichte über iranische Milizen, die Containerschiffen die Durchfahrt verwehren, haben die Nervosität zuletzt zusätzlich erhöht.
Die geopolitische Lage bleibt dabei äußerst dynamisch. Zwar wurde ein ursprünglich gesetztes Ultimatum zur Öffnung der Meerenge um mehrere Tage verlängert, doch eine nachhaltige diplomatische Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. Parallel dazu wurden militärische Angriffe auf iranische Infrastruktur verschoben, während gleichzeitig neue Angriffe in der Region gemeldet wurden.
Für die Finanzmärkte ist diese Gemengelage aus geopolitischer Unsicherheit und steigenden Energiepreisen besonders problematisch. Hohe Ölpreise wirken gleich doppelt belastend: Sie treiben die Inflation an und erhöhen gleichzeitig den Druck auf die Konjunktur.
Diese Entwicklung spiegelt sich bereits deutlich an den Anleihemärkten wider. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen ist zuletzt auf den höchsten Stand seit rund 15 Jahren gestiegen. Auch in den USA bleiben die Kapitalmarktzinsen hoch. Steigende Renditen reduzieren jedoch die Attraktivität von Aktien und erhöhen die Finanzierungskosten für Unternehmen.
Parallel dazu rückt auch der geopolitische Konflikt zwischen den USA und China wieder stärker in den Fokus. Neue Handelsuntersuchungen zwischen beiden Ländern haben gezeigt, dass der jahrelange Handelsstreit keineswegs dauerhaft gelöst ist. Für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland stellt dies ein zusätzliches Risiko dar.

Ausblick auf die kommende Woche
Auch in der neuen Woche dürfte die geopolitische Lage der wichtigste Einflussfaktor für die Finanzmärkte bleiben. Besonders aufmerksam werden Investoren weiterhin auf Nachrichten rund um den Konflikt im Nahen Osten und mögliche Entwicklungen an der Straße von Hormus achten.
Solange die Unsicherheit über die Ölversorgung anhält, dürfte der Energiemarkt der zentrale Taktgeber für die Börsen bleiben. Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck und könnten sowohl in Europa als auch in den USA die geldpolitischen Spielräume der Notenbanken weiter einschränken.
Entsprechend rücken in der kommenden Woche mehrere wichtige Inflationsdaten in den Fokus. Verbraucherpreiszahlen aus Deutschland und der Eurozone könnten zeigen, wie stark der jüngste Ölpreisanstieg bereits auf die Preisentwicklung durchschlägt. Sollte sich der Preisdruck weiter verstärken, könnte dies die Erwartungen an die Geldpolitik erneut verändern.
Auch von der Konjunkturseite stehen wichtige Signale an. Unternehmensberichte und Konjunkturdaten werden zunehmend daraufhin analysiert, wie stark die steigenden Energiepreise bereits auf die wirtschaftliche Aktivität wirken.
In den USA richtet sich der Blick insbesondere auf den monatlichen Arbeitsmarktbericht. Dieser gilt als einer der wichtigsten Indikatoren für die weitere Geldpolitik der US-Notenbank. Ein weiterhin robuster Arbeitsmarkt könnte den Spielraum für Zinssenkungen begrenzen.
Charttechnisch bleibt der DAX vorerst in einer Phase der Konsolidierung. Erst ein Ausbruch aus der aktuellen Handelsspanne zwischen etwa 21.800 und 23.200 Punkten dürfte neue Impulse liefern. Ein nachhaltiger Anstieg über die obere Begrenzung könnte eine technische Gegenbewegung einleiten. Auf der Unterseite würde ein Bruch des Kriegstiefs hingegen neue Risiken eröffnen.
Damit bleibt das Umfeld für Anleger weiterhin anspruchsvoll. Die Märkte reagieren derzeit besonders sensibel auf politische Nachrichten und makroökonomische Daten. Entsprechend dürfte auch in der verkürzten Karwoche mit erhöhten Kursschwankungen zu rechnen sein.



Strategischer Kommentar
Aktuelle Positionierung
Die erhöhte Unsicherheit an den Finanzmärkten zeigt derzeit, wie wichtig ein konsequentes Risikomanagement ist. In meinen Wikifolio-Strategien German Alpha Leaders, Deutsche Nebenwerte Safari und Dividenden-Adler wurden die Investitionsquoten in den vergangenen Wochen deshalb spürbar reduziert.
Aktuell liegt die Investitionsquote in allen drei Strategien bei rund 50 - 60 Prozent. Durch diese vorsichtigere Positionierung konnten die Rückgänge in den Portfolios deutlich begrenzt werden. Die Drawdowns fielen damit geringer aus als in vielen Benchmark-Indizes.
Fokus auf Risikomanagement
Die höheren Cashquoten sorgen gleichzeitig dafür, dass die Strategien flexibel bleiben. Gerade in volatilen Marktphasen ist es entscheidend, handlungsfähig zu bleiben und mögliche Chancen bei stabilisierenden Märkten schnell nutzen zu können.
Aktives Risikomanagement zahlt sich besonders in Phasen aus, in denen geopolitische Risiken, steigende Zinsen und hohe Energiepreise für erhöhte Unsicherheit sorgen.
Geplante Anpassungen
Für die kommende Woche plane ich, die Investitionsquote von 50 - 60 Prozent beizubehalten.
Mögliche technische Erholungen werden dabei teilweise zum Abbau von Positionen genutzt.
Alle Käufe, Verkäufe sowie die aktuellen Portfolios meiner Wikifolios kannst du jederzeit transparent auf www.wikifolio.com verfolgen.









Richtig starker Blog! Man merkt sofort, wie viel Arbeit, Erfahrung und echtes Marktverständnis da drinsteckt. Das ist nicht einfach nur ein Wochenrückblick, sondern eine saubere Einordnung dessen, was gerade wirklich an den Märkten passiert.
Vor allem die Verbindung aus Geopolitik, Ölpreis und Zinsentwicklung ist extrem gut herausgearbeitet. Genau das sind aktuell die Treiber und du bringst das klar und verständlich auf den Punkt, ohne es unnötig kompliziert zu machen.
Auch der Aufbau ist Top! Rückblick, Einordnung und Ausblick greifen sauber ineinander. Man liest das nicht nur, sondern nimmt wirklich was mit für die eigene Einschätzung der nächsten Tage.
Und was ich besonders stark finde, die Transparenz bei der eigenen Positionierung. Das zeigt, dass hier nicht einfach „Meinung“ rausgehauen wird, sondern dass das Ganze auch konsequent im eigenen Handeln umgesetzt wird. Genau das unterscheidet Theorie von Praxis.
Inhaltlich stark, klar strukturiert und mit echtem Mehrwert. Genau so sollte ein Börsenblog aussehen!
Vielen Dank für das positive Feedback :)