12.11.2025
Starke Aktien durch Relative Stärke finden
Warum Relative Stärke so entscheidend ist

Wenn es um systematisches Investieren geht, gibt es eine Kennzahl, die in fast jeder erfolgreichen Strategie vorkommt: die Relative Stärke.
Sie ist kein kurzfristiges Trend-Tool, sondern eine zentrale Messgröße, um herauszufinden, welche Aktien sich besser entwickeln als der Markt und welche hinterherhinken.
Ich verwende Relative Stärke nicht, um kurzfristige „Überflieger“ zu jagen, sondern um systematisch jene Aktien zu identifizieren, die über längere Zeiträume hinweg eine nachhaltige Outperformance zeigen.
Denn eines ist klar: Starke Aktien bleiben oft stark, schwache Aktien bleiben meist schwach.
Diese Erkenntnis bildet einen der Kernpfeiler meines Systems. In diesem Beitrag zeige ich, wie ich Relative Stärke berechne, wie ich sie interpretiere und warum sie mir hilft, die besten Aktien im Markt zu finden.
Was Relative Stärke überhaupt misst
Relative Stärke vergleicht die Kursentwicklung einer Aktie mit einem Referenzindex wie z.B. dem DAX, S&P500 oder einem globalen Index wie dem MSCI World.
Ziel ist es, die Gewinner im Markt zu erkennen, also jene Titel, die besser abschneiden als der Durchschnitt.
Während viele Anleger auf absolute Kursgewinne achten, zeigt die Relative Stärke, wer den Markt übertrifft, was entscheidend ist, wenn man ein Portfolio aufbauen will, das langfristig outperformt.
Ein einfaches Beispiel:
- Steigt der DAX um 5 %,
- aber Aktie A steigt im gleichen Zeitraum um 10 %, dann hat Aktie A eine höhere Relative Stärke.
Diese Aktie zieht Kapital an, zeigt institutionelles Interesse. Genau das möchte man im Portfolio haben.
Wie wird Relative Stärke berechnet?
Die Berechnung der Relativen Stärke kann auf verschiedene Arten erfolgen.
In der Praxis hat sich eine vergleichende Methode auf Prozentbasis als besonders anschaulich und robust bewährt.
Dabei wird nicht der reine Kursquotient, sondern die prozentuale Kursveränderung einer Aktie im Verhältnis zu einem Referenzindex betrachtet.
So funktioniert es Schritt für Schritt:
Zeitraum festlegen:
Wähle einen klar definierten Zeitraum, zum Beispiel 55 Handelstage (etwa ein Quartal).
Wichtig ist, dass der Zeitraum für alle betrachteten Aktien identisch ist.
Prozentuale Kursveränderung der Aktie berechnen:
- Veränderung Aktie = ((aktueller Kurs − Kurs vor 55 Tagen) / Kurs vor 55 Tagen) × 100
Prozentuale Kursveränderung des Referenzindex bestimmen:
- Veränderung Index = ((aktueller Indexstand - Indexstand vor 55 Tagen) / Indexstand vor 55 Tagen) x 100
Relative Stärke ermitteln:
- Relative Stärke = Veränderung Aktie / Veränderung Index
Beispiel:
Eine Aktie steigt innerhalb von 55 Handelstagen um 10 %, während der DAX im gleichen Zeitraum 5 % zulegt.
Dann ergibt sich:
- Relative Stärke = 10 / 5 = 2
Das bedeutet:
Die Aktie hat sich doppelt so stark entwickelt wie der Markt. Sie outperformt den DAX.
Werte über 1 signalisieren eine relative Stärke, Werte unter 1 eine relative Schwäche.
Diese Methode hat den Vorteil, dass sie einfach nachvollziehbar ist, sich leicht automatisieren lässt und in vielen quantitativen Trend- und Momentum-Strategien Anwendung findet.
Relative Strength Index (RSI) vs. Relative Stärke – ein wichtiger Unterschied
Viele verwechseln Relative Stärke mit dem RSI (Relative Strength Index).
Beide Begriffe klingen ähnlich, messen aber völlig unterschiedliche Dinge.
- RSI ist ein Oszillator, der anzeigt, ob eine Aktie überkauft oder überverkauft ist.
- Relative Stärke hingegen vergleicht die Performance einer Aktie mit dem Markt oder einer Benchmark.
Ich verwende ausschließlich die zweite Variante, also die relative Performance-Messung.
Sie sagt mir, wo Kapital in den Markt fließt, was ein entscheidender Hinweis für Trendfolger und systematische Investoren ist.
Zeiträume und Glättung – wie ich die Daten nutze
Eine einzelne Momentaufnahme reicht nicht aus.
Ich berechne Relative Stärke über verschiedene Zeiträume, typischerweise über:
- 3 Monate: kurzfristige Dynamik
- 6 Monate: mittelfristige Trendbestätigung
- 12 Monate: langfristige Stärke
Aus diesen Werten bilde ich ein gewichtetes Scoring, das Aktien mit konstanter Stärke bevorzugt.
So vermeide ich kurzfristige Zufallstreffer und fokussiere mich auf stabile Outperformance über mehrere Marktphasen hinweg.
Zur Glättung nutze ich gleitende Durchschnitte der relativen Performance, um kurzfristige Ausschläge zu reduzieren.
Ein steigender Durchschnitt der Relativen Stärke zeigt, dass der Trend nachhaltig ist – genau das, was ein systematischer Investor sucht.
Interpretation: Wann eine Aktie wirklich „stark“ ist
Relative Stärke ist kein Selbstzweck. Sie zeigt ihre wahre Kraft erst in der Interpretation:
Eine Aktie ist dann stark, wenn sie in verschiedenen Marktphasen konstant besser abschneidet als der Index.
Das bedeutet:
- In Seitwärtsmärkten hält sie sich stabil.
- In Abwärtsmärkten fällt sie weniger stark.
- In Aufwärtsmärkten steigt sie überproportional.
Diese Robustheit ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal.
Ich bevorzuge Aktien, die über 3 bis 12 Monate hinweg stetig relative Stärke aufbauen.
Nachlassende Relative Stärke als Warnsignal
Relative Stärke ist kein fixer Wert, sondern ein dynamischer Indikator. Eine Aktie, die heute stark ist, kann morgen an Kraft verlieren.
Genau deshalb nutze ich ein Ranking-System, das wöchentlich aktualisiert wird.
Darin werden alle beobachteten Aktien unter anderem anhand ihrer relativen Stärke bewertet.
Jede Aktie erhält eine Position im Ranking – die stärksten oben, die schwächeren unten.
Wenn eine Aktie im Verlauf mehrerer Wochen deutlich im Ranking abfällt und unter eine definierte Schwelle rutscht, ist das ein klares Signal:
Das Momentum bricht ein, der Trend verliert an Überzeugungskraft.
In diesem Fall verkaufe ich die Position und setze das Kapital in stärkere Titel um.
So bleibt mein Portfolio konsequent auf Aktien fokussiert, die derzeit echte Marktführer sind.
Kombination mit Momentum und Trendfiltern
Relative Stärke allein reicht nicht aus. Sie ist ein Baustein im Zusammenspiel mit anderen Faktoren.
In meinem System kombiniere ich sie mit:
- Momentum: misst die Geschwindigkeit des Kursanstiegs
- Trendindikatoren (z. B. GD 200): bestätigt die Richtung
- Volumen: zeigt, ob institutionelles Kapital hinter der Bewegung steht
Erst wenn alle drei Bereiche positiv sind, gilt eine Aktie als systematisch stark.
Relative Stärke als Risikoindikator
Viele nutzen Relative Stärke zur Aktienauswahl. Ich verwende sie zusätzlich als Frühwarnsignal.
Wenn mehrere meiner Portfoliotitel gleichzeitig an relativer Stärke verlieren, ist das ein Zeichen, dass der Markt in eine Schwächephase übergeht.
In solchen Fällen reduziere ich die Aktienquote systematisch, noch bevor größere Verluste entstehen.
So wird Relative Stärke nicht nur zum Performance-, sondern auch zum Risikomanagement-Instrument.
Häufige Fehler bei der Anwendung
Viele Privatanleger interpretieren Relative Stärke falsch.
Hier sind die häufigsten Fehler, die ich immer wieder sehe:
- Zu kurze Betrachtungszeiträume – führt zu Zufallsergebnissen.
- Falscher Referenzindex – vergleiche nur mit einem passenden Benchmark.
- Ignorieren der Marktrichtung – eine Aktie kann relativ stark sein, obwohl der Markt insgesamt fällt.
- Überbewertung einzelner Wochen – Trends sind wichtiger als Momentaufnahmen.
Ein systematischer Ansatz vermeidet genau diese Fehler, indem er klare Regeln für Berechnung und Bewertung vorgibt.
Warum Relative Stärke so gut funktioniert
Relative Stärke funktioniert, weil sie das Verhalten institutioneller Anleger widerspiegelt.
Kapital fließt dorthin, wo Performance entsteht – und dieser Fluss lässt sich messen.
Aktien mit anhaltender relativer Stärke ziehen weiteres Kapital an, was wiederum neue Käufer generiert.
Das ist der sogenannte Selbstverstärkungseffekt im Trend.
Indem man diesem Prinzip folgt, handelt man nicht gegen den Markt, sondern mit dem Markt.
Ein entscheidender Unterschied zwischen spekulativem Trading und systematischem Investieren.
Fazit: Relative Stärke als Kompass für systematisches Investieren
Relative Stärke ist weit mehr als eine Kennzahl. Relative Stärke ist ein strategisches Werkzeug.
Sie zeigt, wo der Markt Energie hat, und hilft, Kapital effizient dorthin zu lenken, wo es die besten Chancen auf nachhaltige Rendite gibt.
In meinem System spielt sie eine zentrale Rolle, weil sie objektiv, messbar und frei von Emotionen ist.
Ich will nicht raten, welche Aktie „bald steigen könnte“, sondern wissen, welche jetzt Stärke zeigt.
Mit dieser Datenbasis lassen sich Portfolios strukturieren, die Trends folgen, Risiken begrenzen und langfristig besser performen als der Markt.
Oder kurz gesagt:
Relative Stärke ist kein Blick in die Vergangenheit, sondern ein Wegweiser in die Zukunft.
Mehr Infos zu meiner Handelsstrategie findest du hier:

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