04.09.2025

Das Scoring-Modell zur Aktienauswahl

Von der Intuition zur Systematik

Wer an der Börse investiert, kennt das Problem: Es gibt unzählige Aktien, unzählige Meinungen und eine scheinbar endlose Flut an Informationen. Analysten raten zu Kauf, Verkauf oder Halten, die Medien feiern das nächste „Börsenwunder“, und im Freundeskreis hat jeder seine ganz eigene Top-Empfehlung. Für Einsteiger wie erfahrene Anleger entsteht schnell ein Dilemma: Welche Aktie ist wirklich die richtige Wahl und wie treffe ich diese Entscheidung systematisch, statt aus dem Bauch heraus?

Genau an diesem Punkt setzt mein Scoring-Modell zur Aktienauswahl an. Es ist die zweite Säule meiner systematischen Investmentstrategie (neben der dynamischen Aktienquote und der Positionsgrößen-Steuerung). Sein Ziel ist klar: Aus der riesigen Menge an Aktien diejenigen herauszufiltern, die die besten Chancen auf nachhaltige Rendite bieten.

Dabei verlasse ich mich nicht auf Prognosen oder Bauchentscheidungen, sondern auf harte Daten. Regeln statt Meinungen. Fakten statt Emotionen. Ein klar definierter, regelbasierter Prozess, der transparent, nachvollziehbar und überprüfbar ist.

Warum brauche ich ein Scoring-Modell?

Die Antwort ist einfach: Nicht jede Aktie in einem Bullenmarkt ist ein Gewinner.

Selbst in einer Phase, in der Indizes wie DAX, S&P 500 oder NASDAQ stark steigen, gibt es Titel, die nur seitwärts laufen oder sogar an Wert verlieren. Umgekehrt gibt es in schwächeren Märkten immer wieder Aktien, die sich erstaunlich stark behaupten und neue Hochs markieren.

Ein Anleger, der wahllos kauft oder sich nur auf subjektive Einschätzungen verlässt, riskiert, die falschen Titel im Depot zu haben. Das Ergebnis: Die Rendite bleibt hinter dem Markt zurück, während das Risiko unnötig steigt.

Ein Scoring-Modell löst dieses Problem, indem es:

  • Objektive Kriterien definiert (z. B. Trend, Momentum, 52-Wochen-Hochs).
  • Alle Aktien gleich behandelt – unabhängig von persönlicher Meinung oder medialem Hype.
  • Nur die Stärksten auswählt – ähnlich wie ein sportliches Ausscheidungsverfahren.

Das Ergebnis: Ein fokussiertes Portfolio mit Aktien, die in der Vergangenheit Stärke gezeigt haben und statistisch oft auch in Zukunft überdurchschnittlich abschneiden.

Momentum & Trendstärke als Erfolgsfaktoren

Das Herzstück meines Scoring-Modells ist die Kombination aus Trendfolge und Momentum-Investing. Beide Ansätze sind seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht und haben sich in zahlreichen Studien als robuste Faktoren für Überrenditen erwiesen.

  • Trendfolge bedeutet: „Die Gewinner von heute haben eine gute Chance, auch morgen zu gewinnen.“
  • Momentum bedeutet: „Aktien mit starker Performance neigen dazu, ihre Stärke beizubehalten.“

Beide Prinzipien widersprechen dem Bauchgefühl vieler Anleger, die glauben, eine Aktie, die schon stark gestiegen ist, sei „zu teuer“. Doch die Daten zeigen: Stärke zieht Stärke an und Aktien auf neuen Hochs haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, weiterzusteigen, als plötzlich zu fallen.

Die Kriterien meines Scoring-Modells im Detail

Damit das Scoring-Modell zuverlässig funktioniert, basiert es nicht auf einem einzigen Indikator, sondern auf mehreren Kriterien, die gemeinsam ein umfassendes Bild liefern.

 

1. Trend – Die Grundrichtung zählt

  • Nur Aktien, die sich in einem klar definierten Aufwärtstrend befinden, kommen in die Auswahl.
  • Ich nutze hierfür u. a. gleitende Durchschnitte wie die 100- oder 200-Tage-Linie.
  • Eine Aktie, die konstant oberhalb dieser Linien notiert, zeigt relative Stärke gegenüber dem Markt.

Praxisbeispiel:
Wenn der DAX schwankt, aber eine Aktie wie SAP oder Siemens stabil über ihrer 200-Tage-Linie bleibt, ist das ein Zeichen für einen starken Trend.

 

 

2. Trendstärke – Nicht jeder Trend ist gleich

  • Ein Aufwärtstrend kann schwach oder stark sein.
  • Ich vergleiche die Performance einer Aktie mit dem Gesamtmarkt (z. B. Relative Strength Ratio).
  • Je stabiler die Aktie in schwachen Phasen bleibt und je dynamischer sie in starken Phasen zulegt, desto höher die Bewertung.

Beispiel:
Zwei Aktien steigen beide 20 % in sechs Monaten. Aktie A macht dies in kleinen, gleichmäßigen Schritten, Aktie B in extremen Schwankungen. Im Scoring-Modell erhält Aktie A eine höhere Punktzahl, weil ihre Trendstärke stabiler ist.

 

 

3. Momentum – Dynamik als Schlüsselfaktor

  • Momentum misst die Dynamik einer Aktie im Vergleich zu anderen.
  • Typische Kennzahlen sind die Performance über 3, 6 und 12 Monate.
  • Studien zeigen, dass Aktien mit starkem Momentum überdurchschnittlich oft auch in Zukunft gut laufen.

Beispiel:
Eine Aktie, die in den letzten 12 Monaten 40 % gestiegen ist und den Markt deutlich übertroffen hat, wird höher eingestuft als eine Aktie, die nur 5 % zulegen konnte.

 

 

4. 52-Wochen-Hochs – Stärke zeigt sich am Gipfel

  • Aktien, die nahe an ihrem 52-Wochen-Hoch notieren oder neue Hochs erreichen, haben oft eine hohe Wahrscheinlichkeit, weiterzusteigen.
  • Psychologisch wirken Hochs wie ein Magnet: Anleger sehen die Stärke und springen auf , was die Bewegung verstärkt.

Beispiel:
Wenn Adidas ein neues Jahreshoch markiert, während der Gesamtmarkt noch schwankt, ist das ein klares Signal relativer Stärke.

 

 

5. Volumen – Bestätigung der Bewegung

  • Kursbewegungen ohne Volumen sind oft nur Strohfeuer.
  • Deshalb überprüfe ich, ob starke Kursanstiege auch von einem überdurchschnittlichen Handelsvolumen begleitet werden.
  • Steigt eine Aktie bei hohem Volumen, ist das ein Hinweis, dass institutionelle Anleger involviert sind, was Bewegungen nachhaltiger macht

Wie das Scoring-Modell funktioniert

Alle Kriterien fließen in ein Punktesystem ein.
Jede Aktie erhält einen Score für Trend, Trendstärke, Momentum, 52-Wochen-Hochs und Volumen.

  • Top-Werte schaffen es ins Portfolio.
  • Schwächere Werte fallen automatisch raus.

Das Modell wird wöchentlich aktualisiert, damit sich das Portfolio immer den aktuellen Marktbedingungen anpasst.

Psychologischer Vorteil: Weniger Emotionen, mehr Disziplin

Einer der größten Vorteile des Scoring-Modells liegt nicht nur in der Aktienauswahl selbst, sondern in der psychologischen Entlastung.

  • Kein Grübeln mehr: „Soll ich diese Aktie kaufen oder nicht?“
  • Kein Nachtrauern: „Mist, ich habe den Einstieg verpasst.“
  • Kein Bauchgefühl: „Die Aktie klingt spannend, die nehm ich.“

Stattdessen: klare Regeln, die die Entscheidung übernehmen.

Gerade in nervösen Marktphasen, in denen Emotionen wie Angst oder Gier dominieren, schützt das Modell vor impulsiven Fehlentscheidungen.

Backtesting und Validierung

Ein Modell ist nur dann wertvoll, wenn es über viele Marktphasen hinweg getestet wurde. Deshalb habe ich mein Scoring-Modell rückwirkend auf verschiedene Börsenphasen angewendet:

  • Dotcom-Blase und Crash (2000–2003)
  • Finanzkrise (2007–2009)
  • Euro-Krise (2011)
  • Corona-Crash (2020)

Ergebnis:
Das Modell konnte zwar keine Verluste vollständig vermeiden, aber es hat systematisch die stärksten Aktien bevorzugt und schwache Titel ausgeschlossen. Dadurch wurden Drawdowns reduziert und langfristig bessere Renditen erzielt.

Die Rolle der Aktienquote im Gesamtsystem

Die dynamische Aktienquote ist die erste Säule meiner dreiteiligen Anlagestrategie:

  • Dynamische Aktienquote: Bestimmt das Gesamtengagement am Markt.
  • Scoring-Modell: Wählt die stärksten Aktien anhand klarer Kriterien wie z.B. Trend, Trendstärke, Momentum, 52-Wochen-Hochs.
  • Positionsgrößen-Steuerung: Sorgt dafür, dass kein Einzelwert das Depot übermäßig belastet (Risikomanagement über ATR).

Integration ins Gesamtsystem

Das Scoring-Modell ist kein isoliertes Werkzeug, sondern Teil meiner dreigliedrigen Strategie:

  • Dynamische Aktienquote – bestimmt das Gesamt-Exposure am Markt.
  • Scoring-Modell – wählt die besten Aktien aus.
  • Positionsgrößen mit ATR – sorgt für ausgewogenes Risikomanagement.

Nur im Zusammenspiel dieser Säulen entsteht ein robustes, diszipliniertes System.

Fazit: Qualität statt Zufall

Das Scoring-Modell zur Aktienauswahl ist für mich das Herzstück systematischen Investierens.
Es beantwortet die entscheidende Frage: In welche Aktien soll ich investieren?

Statt sich von Medien, Meinungen oder Emotionen leiten zu lassen, basiert es auf Daten, Regeln und klaren Kriterien. Damit wird die Aktienauswahl:

  • objektiv statt subjektiv
  • fokussiert statt zufällig
  • nachvollziehbar statt spekulativ

Für Anleger bedeutet das: Weniger Stress, mehr Struktur – und langfristig eine höhere Chance auf nachhaltigen Erfolg.

Mehr zu meiner Strategie und meinen Zertifikaten findest du hier: <zum Handelssystem>
 

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