20.05.2026
Sell in May and Go Away – funktioniert die Börsenweisheit wirklich?
Was die Statistik im DAX tatsächlich zeigt

Eine der bekanntesten Börsenweisheiten überhaupt
„Sell in May and go away.“
Kaum eine Börsenregel ist so bekannt wie dieser Satz.
Seit Jahrzehnten hält sich die Idee, dass Anleger ihre Aktien im Mai verkaufen und erst im Herbst wieder an die Börse zurückkehren sollten.
Die Logik dahinter klingt zunächst plausibel:
Die Sommermonate gelten historisch als schwächer, während das Winterhalbjahr häufig deutlich bessere Renditen liefert.
Doch stimmt das wirklich?
Oder handelt es sich nur um eine alte Börsenweisheit ohne echten statistischen Vorteil?
Genau das schauen wir uns anhand des DAX genauer an.
Was bedeutet „Sell in May and Go Away“ eigentlich?
Die klassische Börsenregel lautet vollständig:
„Sell in May and go away, but remember to come back in September.“
Gemeint ist damit, dass Anleger zwischen Mai und Oktober häufig schlechtere Renditen erzielen als zwischen November und April.
Die Theorie basiert auf saisonalen Mustern an den Kapitalmärkten.
Historisch zeigen viele Aktienmärkte in den Sommermonaten:
- geringere Dynamik
- schwächere Durchschnittsrenditen
- höhere Unsicherheit
- stärkere Korrekturphasen
Vor allem August und September gelten statistisch häufig als schwierigere Börsenmonate.
DAX Statistik: Wie stark ist der saisonale Effekt wirklich?
Schaut man sich die langfristige Entwicklung des DAX an, erkennt man tatsächlich ein auffälliges Muster.
Das Winterhalbjahr – also etwa von Oktober bis April – war historisch deutlich stärker als die Sommerperiode von Mai bis September.
Ein großer Teil der langfristigen DAX-Performance entstand statistisch im Winterhalbjahr.
Die Sommermonate verliefen im Durchschnitt wesentlich schwächer und teilweise sogar seitwärts.
Besonders interessant:
Viele größere Rückschläge und volatile Marktphasen traten historisch häufiger zwischen Mai und Oktober auf.
Das bedeutet natürlich nicht, dass die Märkte jeden Sommer fallen.
Aber die durchschnittliche Entwicklung war langfristig tatsächlich schwächer.
Was wäre bei einer Sell-in-May-Strategie passiert?
Nehmen wir eine vereinfachte Strategie:
- Kauf des DAX Anfang Oktober
- Verkauf Ende April bzw. Anfang Mai
- Zwischen Mai und September bleibt das Kapital in Cash
Historische Untersuchungen zeigen, dass diese Strategie beim DAX über lange Zeiträume erstaunlich robust funktioniert hätte.
Teilweise sogar mit geringeren Schwankungen als ein klassisches Buy-and-Hold-Investment.
Der Grund liegt vor allem darin, dass viele schwächere Marktphasen statistisch in den Sommermonaten auftraten.
Dadurch konnten Anleger mit diesem Ansatz teilweise:
- stärkere Drawdowns vermeiden
- die Volatilität reduzieren
- die risikobereinigte Rendite verbessern
Gerade beim DAX war dieser Effekt historisch auffällig.
Warum der DAX saisonal besonders interessant ist
Im deutschen Markt scheint der Effekt teilweise sogar stärker ausgeprägt zu sein als in einigen US-Indizes.
Ein möglicher Grund liegt in der Struktur vieler DAX-Unternehmen.
Zahlreiche Konzerne zahlen ihre Dividenden im Frühjahr aus.
Dadurch entsteht bis Mai häufig zusätzlicher Kaufdruck. Nach der Dividendensaison nimmt die Dynamik dagegen oft ab.
Hinzu kommt:
Die Handelsaktivität ist in den Sommermonaten traditionell geringer.
Viele institutionelle Investoren reduzieren ihre Aktivitäten.
Das kann Bewegungen verstärken und die Märkte anfälliger machen.
Das Problem: Die Regel funktioniert nicht jedes Jahr
Und genau hier wird es wichtig.
Denn obwohl die Statistik langfristig interessant aussieht, funktioniert „Sell in May“ keineswegs jedes Jahr zuverlässig.
Es gab viele Sommerphasen mit starken Kursanstiegen.
Wer in diesen Jahren komplett ausgestiegen war, hätte erhebliche Gewinne verpasst.
Das zeigt einen entscheidenden Punkt:
Statistische Vorteile bedeuten niemals Garantie.
Die Börse bleibt unberechenbar.
Warum viele Anleger an saisonalen Strategien scheitern
Die eigentliche Herausforderung liegt oft gar nicht im Ausstieg.
Sondern im Wiedereinstieg.
Viele Anleger verkaufen im Mai – und finden später keinen guten Zeitpunkt zurückzukehren.
Wenn die Märkte im Sommer steigen, entsteht Unsicherheit.
Wenn die Märkte fallen, wächst die Angst.
Dadurch wird Markttiming schnell emotional.
Und genau das ist langfristig gefährlich.
Saisonale Effekte sind interessant – aber kein vollständiges System
Ich halte saisonale Muster grundsätzlich für spannend.
Denn Märkte zeigen tatsächlich wiederkehrende Verhaltensweisen.
Aber genau hier liegt ein wichtiger Unterschied:
Eine Börsenweisheit allein ist noch kein robustes Investmentmodell.
Nur weil ein Muster historisch existiert, bedeutet das nicht automatisch, dass man daraus eine vollständige Strategie ableiten sollte.
Warum ich nicht rein saisonal investiere
Mein eigener Ansatz basiert nicht auf Kalenderregeln oder einzelnen Börsenweisheiten.
Ich verkaufe nicht automatisch im Mai und kaufe auch nicht pauschal im Oktober zurück.
Stattdessen arbeite ich mit systematischen, quantitativen Modellen.
Meine Aktienquote wird anhand von Marktstrukturen, Trendfiltern und objektiven Daten ermittelt – völlig unabhängig von Jahreszeiten.
Das bedeutet konkret:
Wenn die Märkte starke Trends zeigen und meine Modelle positiv bleiben, kann die Aktienquote auch im Sommer hoch bleiben.
Verschlechtert sich dagegen das Marktumfeld, wird Risiko reduziert – unabhängig davon, ob gerade Januar oder August ist.
Wie meine Trendfilter funktionieren
In meinen Modellen spielen verschiedene Faktoren zusammen:
- Trendstärke
- Relative Stärke
- Marktbreite
- Volatilität
- Momentum
- übergeordnete Marktstruktur
Diese Faktoren werden laufend ausgewertet und liefern ein objektives Bild des aktuellen Marktumfelds.
Dadurch entsteht ein deutlich flexiblerer Ansatz als starre Kalenderregeln.
Sommermonate müssen nicht schwach sein
Ein gutes Beispiel dafür sind starke Trendjahre.
Es gab immer wieder Phasen, in denen die Märkte auch zwischen Mai und September deutlich gestiegen sind.
Ein rein saisonaler Ansatz hätte in diesen Phasen unnötig Rendite gekostet.
Ein trendbasierter Ansatz dagegen bleibt investiert, solange die Marktstruktur positiv ist.
Und genau das ist für mich der entscheidende Unterschied.
Warum ich datenbasierte Modelle bevorzuge
Viele Börsenweisheiten klingen logisch.
Doch entscheidend ist immer die statistische Überprüfung und die praktische Umsetzbarkeit.
Ich bevorzuge deshalb Modelle, die:
- objektiv messbar
- statistisch überprüfbar
- reproduzierbar
- flexibel anpassbar
sind.
Denn Märkte verändern sich ständig.
Ein starres „immer verkaufen im Mai“ ist mir persönlich zu unflexibel.
Mein Ansatz in der Praxis
Auch in meinen wikifolios verfolge ich einen vollständig systematischen Ansatz.
Entscheidungen basieren dort nicht auf einzelnen Börsenweisheiten oder subjektiven Prognosen, sondern auf klar definierten Regeln und datenbasierten Faktoren.
Die Aktienquote wird dynamisch anhand von Marktstrukturen und Trendfiltern gesteuert – unabhängig davon, welche Jahreszeit gerade herrscht.
Dadurch entsteht ein strukturierter Investmentprozess, der flexibel auf unterschiedliche Marktphasen reagieren kann.
Mein Fazit: Sell in May funktioniert teilweise – aber nicht immer
Die Statistik zeigt durchaus interessante saisonale Muster im DAX.
Historisch war das Winterhalbjahr häufig stärker als die Sommermonate. Viele größere Schwächephasen traten tatsächlich zwischen Mai und Oktober auf.
Trotzdem halte ich wenig davon, Investmententscheidungen ausschließlich an einer Börsenweisheit festzumachen.
Für mich sind Marktstruktur, Trendverhalten und objektive Daten deutlich wichtiger als der Kalender.
Deshalb arbeite ich mit systematischen Modellen statt mit starren saisonalen Regeln.
Viele der Prinzipien, die meinen heutigen Investmentprozess geprägt haben, stammen ursprünglich aus Börsen- und Tradingbüchern.
Gerade systematische Ansätze, Risikomanagement und datenbasierte Modelle wurden dort für mich erstmals greifbar.
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