26.08.2026
Warum ich lieber Trends folge als Schnäppchen suche
Warum ich bei Aktien nicht nach dem niedrigsten Kurs, sondern nach Stärke suche
Es gibt einen Satz, den man an der Börse sehr häufig hört:
„Die Aktie ist doch schon so stark gefallen. Viel billiger kann sie kaum noch werden.“
Genau bei diesem Satz werde ich aufmerksam.
Nicht, weil die Aktie dadurch automatisch interessant wird,
sondern weil ich mich frage, warum sie überhaupt so stark gefallen ist.
Nach mehr als 30 Jahren an der Börse habe ich gelernt, dass ein niedriger Aktienkurs allein noch kein Kaufargument ist.
Eine Aktie kann bei 100 Euro teuer sein.
Sie kann bei 10 Euro teuer sein.
Und sie kann bei 1 Euro ebenfalls teuer sein.
Der Kurs sagt zunächst einmal wenig darüber aus, ob eine Aktie tatsächlich attraktiv ist.
Was mich wesentlich stärker interessiert, ist etwas anderes:
- Wie verhält sich die Aktie im Vergleich zu anderen Aktien?
- Zeigt sie Stärke?
- Ist ein Aufwärtstrend erkennbar?
- Verbessert sich ihre relative Stärke?
- Fließt Kapital in die Aktie?
Und vor allem:
Bleibt der Trend intakt?
Genau deshalb bevorzuge ich seit vielen Jahren einen systematischen Ansatz, der auf Trendfolge, Momentum und relativer Stärke basiert.
Ich möchte nicht unbedingt die Aktie kaufen, die am stärksten gefallen ist.
Ich möchte die Aktie besitzen, die sich besser entwickelt als andere.
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Value Investing: Die Suche nach dem günstigen Preis
Bevor ich erkläre, warum ich Trends bevorzuge, lohnt sich ein Blick auf den klassischen Value-Ansatz.
Value Investing basiert vereinfacht gesagt auf der Suche nach Aktien, deren Börsenwert unter ihrem geschätzten inneren Wert liegt.
Ein Anleger versucht also beispielsweise herauszufinden, was ein Unternehmen tatsächlich wert sein könnte.
Er analysiert:
- Gewinne
- Cashflow
- Verschuldung
- Margen
- Eigenkapital
- Dividenden
- Bewertung
- zukünftige Ertragskraft
Anschließend wird der ermittelte Unternehmenswert mit dem aktuellen Aktienkurs verglichen.
Ist die Aktie aus Sicht des Investors deutlich günstiger als ihr geschätzter Wert, entsteht eine sogenannte Sicherheitsmarge.
Das Konzept ist nachvollziehbar.
Und es hat zweifellos viele erfolgreiche Investoren hervorgebracht.
Das Problem liegt für mich an einer anderen Stelle:
- Der Markt muss die Unterbewertung irgendwann erkennen.
- Und niemand weiß genau, wann das passiert.
Eine Aktie kann fundamental günstig sein und trotzdem jahrelang weiter fallen.
Eine günstige Aktie kann noch günstiger werden
Das ist einer der Punkte, die ich in meiner täglichen Arbeit an den Märkten immer wieder beobachte.
Eine Aktie fällt von 100 auf 70 Euro.
Ein Anleger sagt:
„Jetzt ist sie 30 Prozent günstiger.“
Sie fällt auf 50 Euro.
„Jetzt ist sie wirklich günstig.“
Dann geht es auf 30 Euro.
„Das kann doch nicht mehr gerechtfertigt sein.“
Vielleicht nicht.
Aber der Markt interessiert sich nicht dafür, was wir für gerechtfertigt halten.
Und genau hier liegt für mich der entscheidende Unterschied zwischen Bewertung und Marktverhalten.
Eine Aktie kann fundamental interessant sein und gleichzeitig ein schlechtes Investment darstellen.
Das klingt zunächst widersprüchlich.
Ist es aber nicht.
Denn ein gutes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute Aktie.
Und eine günstige Aktie ist nicht automatisch eine gute Anlage.
Growth Investing: Wachstum hat seinen Preis
Das andere Ende des Spektrums ist Growth Investing.
Hier geht es weniger darum, ob eine Aktie auf Basis klassischer Kennzahlen günstig erscheint.
Im Mittelpunkt steht das zukünftige Wachstum.
Unternehmen mit stark steigenden Umsätzen und Gewinnen können hohe Bewertungen rechtfertigen, wenn sie ihre Erwartungen weiterhin übertreffen.
Gerade in den vergangenen Jahren konnte man eindrucksvoll beobachten, welche Dynamik solche Aktien entwickeln können.
Technologieunternehmen, Halbleiterhersteller und Unternehmen aus dem KI-Umfeld haben teilweise außergewöhnliche Trends ausgebildet.
Und genau hier wird es für mich interessant.
Denn ein starker Wachstumstrend zeigt sich häufig auch im Kursverlauf.
Das bringt uns zum Momentum.
Was bedeutet Momentum Investing?
Momentum Investing basiert auf einer relativ einfachen Beobachtung:
Aktien, die sich in der Vergangenheit besser entwickelt haben als andere Aktien, haben häufig eine höhere Wahrscheinlichkeit, diesen Trend zunächst fortzusetzen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Aktie automatisch weiter steigt, nur weil sie gestiegen ist.
Momentum ist keine Garantie.
Es ist eine statistische Eigenschaft.
Und genau deshalb passt Momentum sehr gut zu einem quantitativen und systematischen Investmentansatz.
Ich muss nicht vorhersagen, welche Aktie in sechs Monaten die beste sein wird.
Ich kann beobachten, welche Aktien heute bereits Stärke zeigen.
Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Warum ich nicht wissen muss, warum eine Aktie steigt
Das ist vielleicht einer der Punkte, die meinen Investmentansatz am besten beschreiben.
Wenn eine Aktie stark steigt, wird häufig sofort nach einer Erklärung gesucht.
- War es ein besserer Quartalsbericht?
- Eine neue Technologie?
- Ein Großauftrag?
- Eine Übernahme?
- Eine Prognoseanhebung?
- Ein Analystenupgrade?
Natürlich sind diese Informationen interessant.
Aber für meine Investmententscheidung muss ich nicht immer wissen, warum eine Aktie steigt.
Wenn viele Marktteilnehmer eine Aktie kaufen, entsteht Nachfrage.
Diese Nachfrage zeigt sich im Kurs.
Und wenn die Aktie gleichzeitig gegenüber anderen Aktien an Stärke gewinnt, wird sie für ein systematisches Modell interessant.
Ich muss nicht versuchen, die Geschichte hinter dem Kurs zu erraten.
Der Kurs selbst liefert mir wichtige Informationen.
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Trends laufen oft länger, als Anleger denken
Einer der häufigsten Fehler bei der Trendfolge ist die Annahme:
„Die Aktie ist doch schon so stark gestiegen. Jetzt kann man sie nicht mehr kaufen.“
Genau das sehe ich anders.
Ein Trend wird nicht dadurch beendet, dass eine Aktie bereits stark gestiegen ist.
Ein Trend endet, wenn die Kräfte hinter diesem Trend nachlassen.
Das kann sehr viel später passieren, als viele Anleger erwarten.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel.
Eine Aktie steigt zunächst 20 Prozent.
Viele Anleger halten sie jetzt für „zu teuer“.
Sie steigt weitere 20 Prozent.
Jetzt wird sie als „überbewertet“ bezeichnet.
Sie steigt noch einmal 30 Prozent.
Und plötzlich beginnt die Diskussion darüber, warum diese Aktie überhaupt so stark ist.
Das Entscheidende ist:
Der Kurs hat die ganze Zeit etwas anderes gesagt als die Meinung vieler Anleger.
Der teuerste Satz an der Börse: „Das kann nicht mehr steigen“
Ich habe in meiner Börsenkarriere unzählige Male erlebt, dass Anleger einen starken Trend zu früh infrage stellen.
Sie verkaufen eine Aktie, weil sie ihnen zu günstig erscheint.
Oder sie kaufen eine Aktie nicht, weil sie bereits stark gestiegen ist.
Dabei ist genau das häufig das Problem:
Wir betrachten den absoluten Kurs.
Das ist psychologisch verständlich.
Eine Aktie bei 200 Euro fühlt sich teuer an, wenn sie vor zwei Jahren 50 Euro gekostet hat.
Aber der Aktienkurs allein sagt nichts darüber aus, wie sich das Unternehmen entwickelt hat.
Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus Unternehmensentwicklung, Markterwartungen, Nachfrage und Kursentwicklung.
Und deshalb interessiert mich weniger die Frage:
„Ist die Aktie schon zu stark gestiegen?“
Ich frage:
„Ist der Trend noch intakt?“
Trendfolge bedeutet nicht, blind steigenden Kursen hinterherzulaufen
Das ist mir besonders wichtig.
Trendfolge wird häufig missverstanden.
Es geht nicht darum, einfach jede Aktie zu kaufen, die gerade steigt.
Das wäre keine Strategie.
Ein systematischer Trendfolgeansatz benötigt klare Kriterien.
Zum Beispiel:
- Wie stark entwickelt sich eine Aktie relativ zum Markt?
- Wie entwickelt sie sich gegenüber anderen Aktien?
- Wie stabil ist der Trend?
- Wie lange besteht die Stärke bereits?
- Wie verändert sich das Ranking?
- Welche Aktie verliert an Momentum?
- Wann wird eine Position verkauft?
Genau hier kommt der quantitative Teil meines Ansatzes ins Spiel.
Ich möchte meine Entscheidungen nicht davon abhängig machen, ob ich eine Aktie sympathisch finde oder ob mir die Geschichte dahinter gefällt.
Die Aktie muss sich in meinem System qualifizieren.
Relative Stärke ist für mich wichtiger als ein niedriger Kurs
Eine der wichtigsten Komponenten meines Investmentansatzes ist deshalb die relative Stärke.
Vereinfacht gesagt geht es darum, wie sich eine Aktie im Verhältnis zu anderen Aktien entwickelt.
Eine Aktie kann beispielsweise um 5 Prozent steigen.
Das klingt zunächst gut.
Wenn der Gesamtmarkt aber gleichzeitig um 10 Prozent steigt, war die Aktie relativ schwach.
Eine andere Aktie steigt vielleicht nur 3 Prozent, während der Markt 10 Prozent verliert.
Diese Aktie zeigt dagegen eine enorme relative Stärke.
Genau diese Perspektive verändert die Betrachtung eines Depots.
Es geht nicht nur darum:
„Steigt die Aktie?“
Sondern:
„Steigt sie stärker als die Alternativen?“
Und das ist für mich eine viel interessantere Frage.
Warum ich lieber Stärke kaufe als Schwäche
Wenn ich zwischen zwei Aktien wählen müsste, würde ich deshalb nicht automatisch diejenige bevorzugen, die stärker gefallen ist.
Ich würde mir anschauen, welche Aktie aktuell stärker ist.
Das kann dazu führen, dass ich eine Aktie kaufe, die bereits deutlich gestiegen ist.
Für klassische Value-Anleger kann das zunächst unlogisch wirken.
Für einen Trendfolger ist es dagegen konsequent.
Denn ich kaufe nicht die Vergangenheit.
Ich kaufe die aktuelle Stärke.
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Das zeigt sich auch in meinen Wikifolios
Diese Philosophie ist kein theoretisches Konzept.
Sie bildet die Grundlage meiner vier Wikifolios:
Die Strategien unterscheiden sich hinsichtlich ihres Anlageuniversums und ihrer Schwerpunkte.
Gemeinsam ist ihnen jedoch der systematische Ansatz.
Aktien werden nicht aufgenommen, weil ich sie persönlich besonders interessant finde.
Sie müssen sich innerhalb des jeweiligen Systems qualifizieren.
Und wenn sich die Stärke verändert, verändert sich auch die Zusammensetzung.
Genau das ist für mich der entscheidende Punkt.
Ein Portfolio sollte nicht statisch sein.
Die Gewinner von heute müssen nicht die Gewinner von morgen sein.
Warum ein Ranking emotionale Entscheidungen reduziert
Ich möchte deshalb nicht jeden Tag neu überlegen:
„Was glaube ich, welche Aktie wird steigen?“
Das wäre nicht nur zeitaufwendig.
Es würde auch meine persönliche Einschätzung viel zu stark in den Entscheidungsprozess einbringen.
Stattdessen arbeite ich mit einem regelbasierten Ansatz.
Aktien werden anhand definierter Kriterien bewertet und gerankt.
Eine Aktie kann dadurch im Ranking aufsteigen.
Eine andere kann zurückfallen.
Und wenn eine Position einen bestimmten Rang unterschreitet, wird sie verkauft und durch eine stärkere Aktie ersetzt.
Ohne Diskussion. Ohne Bauchgefühl. Ohne Lieblingsaktie.
Genau das ist für mich einer der größten Vorteile eines systematischen Handelssystems.
Es nimmt mir nicht das Risiko ab.
Aber es nimmt mir einen Teil der emotionalen Entscheidungsarbeit ab.
Warum ich nicht auf den perfekten Einstieg warte
Ein weiterer Vorteil der Trendfolge ist für mich, dass ich nicht den Anspruch haben muss, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden.
Bei einer klassischen Value-Strategie steht häufig die Frage im Vordergrund:
Wie viel ist das Unternehmen wert und wie groß ist der Abschlag zum fairen Wert?
Bei meinem Ansatz lautet die Frage anders:
Zeigt die Aktie aktuell die Stärke, die ich in meinem System suche?
Das verändert auch den Umgang mit einem Einstieg.
Ich muss nicht die Aktie am Tiefpunkt erwischen.
Im Gegenteil: Der Versuch, exakt den Tiefpunkt zu finden, führt häufig dazu, dass Anleger zu früh einsteigen und anschließend lange auf die erhoffte Trendwende warten.
Ich möchte lieber eine Aktie kaufen, bei der sich bereits zeigt, dass der Markt sie favorisiert.
Das bedeutet auch, dass ich gelegentlich einen Teil der ersten Kursbewegung verpasse.
Damit kann ich gut leben.
Denn mein Ziel ist nicht, jeden Prozentpunkt mitzunehmen.
Mein Ziel ist, an den großen Bewegungen möglichst lange beteiligt zu sein und gleichzeitig Verluste konsequent zu begrenzen.
Was passiert, wenn ein Trend endet?
Natürlich funktioniert Trendfolge nicht immer.
Jeder Trend endet irgendwann.
Das ist keine Schwäche der Strategie, sondern eine Tatsache der Börse.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob ich einen Trend immer richtig erkenne.
Die entscheidende Frage ist:
Was mache ich, wenn sich die Situation verändert?
Genau hier unterscheiden sich für mich ein systematischer Ansatz und eine persönliche Einschätzung.
Wenn ich eine Aktie aufgrund einer fundamentalen Überzeugung gekauft habe, kann ich bei einem Kursrückgang sehr schnell anfangen, meine ursprüngliche These zu verteidigen.
- „Das Unternehmen ist weiterhin gut.“
- „Die Bewertung ist inzwischen attraktiv.“
- „Der Markt übertreibt.“
- „Das wird sich wieder drehen.“
Ein Handelssystem kennt diese Argumente nicht.
Wenn eine Aktie im Ranking deutlich zurückfällt und ein definiertes Kriterium nicht mehr erfüllt, wird die Position verkauft.
Vielleicht dreht die Aktie anschließend wieder nach oben.
Das kann passieren.
Aber das ist nicht der Punkt.
Ich akzeptiere lieber einen möglichen verpassten Wiedereinstieg, als eine schwache Position aus Hoffnung weiterzuhalten.
Trends folgen heißt auch, Verluste zu akzeptieren
Trendfolge wird häufig mit steigenden Kursen verbunden.
Mindestens genauso wichtig ist aber der Umgang mit fallenden Kursen.
Denn nicht jede Position wird funktionieren.
- Einige Aktien werden nach dem Kauf steigen.
- Andere werden seitwärts laufen.
- Und wieder andere werden fallen.
Das ist vollkommen normal.
Ein System muss deshalb nicht dafür sorgen, dass jede einzelne Position erfolgreich ist.
Es muss dafür sorgen, dass die erfolgreichen Positionen ausreichend Raum bekommen und schwache Positionen konsequent aus dem Portfolio verschwinden.
Genau deshalb ist der Verkauf für mich kein Scheitern.
Er ist Bestandteil der Strategie.
Das unterscheidet sich deutlich von dem Gedanken: „Ich verkaufe erst, wenn ich wieder im Plus bin.“
Wie problematisch dieser Gedanke sein kann, habe ich bereits im Artikel „Warum Anleger Verluste viel zu spät akzeptieren“ beschrieben.
Ein Verlust wird nicht dadurch kleiner, dass man ihn nicht realisiert.
Warum ich Gewinner laufen lasse
Das Gegenstück zur Verlustbegrenzung ist für mich das Laufenlassen von Gewinnern.
Wenn eine Aktie einen starken Trend entwickelt, möchte ich nicht automatisch verkaufen, nur weil sie bereits 20, 30 oder 50 Prozent gestiegen ist.
Das ist für viele Anleger schwer auszuhalten.
Nach einem starken Kursanstieg entsteht schnell der Gedanke:
„Jetzt ist es doch genug.“
Aber genau hier kann ein systematischer Ansatz einen großen Unterschied machen.
Wenn die Aktie weiterhin stark ist, gibt es für mich zunächst keinen Grund, sie allein aufgrund ihrer bisherigen Performance zu verkaufen.
Ich möchte nicht den Gewinn maximieren, den ich heute theoretisch hätte sichern können.
Ich möchte die gesamte Bewegung erfassen.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Warum Momentum und Trendfolge so gut zusammenpassen
Momentum und Trendfolge werden häufig getrennt betrachtet.
Für meinen Ansatz gehören sie jedoch eng zusammen.
Momentum beschreibt vereinfacht die Stärke einer Kursbewegung.
Trendfolge nutzt diese Stärke, um Positionen aufzubauen und zu halten, solange die entsprechenden Kriterien erfüllt sind.
Dabei geht es nicht darum, dass eine Aktie jeden Tag steigt.
Ein gesunder Trend kann selbstverständlich von Rücksetzern unterbrochen werden.
Entscheidend ist das Gesamtbild.
- Bleibt die Aktie gegenüber anderen Titeln stark?
- Ist der übergeordnete Trend weiterhin intakt?
- Bleibt sie im Ranking weit oben?
- Oder verliert sie zunehmend an relativer Stärke?
Diese Fragen sind für mich wesentlich wichtiger als die Frage, ob eine Aktie gerade einmal zwei oder drei Prozent korrigiert.
Was Value und Trendfolge voneinander unterscheidet
Ich möchte ausdrücklich nicht sagen, dass Value Investing nicht funktioniert.
Das wäre aus meiner Sicht zu einfach.
Value und Trendfolge verfolgen unterschiedliche Ansätze und beantworten unterschiedliche Fragen.
Der Value-Investor fragt:
„Was ist dieses Unternehmen meiner Meinung nach wert?“
Der Trendfolger fragt:
„Welche Aktien zeigen aktuell die stärkste Entwicklung?“
Beide Ansätze können funktionieren.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, woher die Investmententscheidung kommt.
Beim Value Investing steht die fundamentale Bewertung im Mittelpunkt.
Bei meinem Ansatz steht das Marktverhalten im Mittelpunkt.
Ich möchte nicht beurteilen, ob der Markt mit seiner Bewertung „recht“ hat.
Ich möchte beobachten, was der Markt tatsächlich macht.
Was mir 30 Jahre Börse gezeigt haben
Nach 30 Jahren an der Börse bin ich vorsichtiger geworden, wenn jemand behauptet, genau zu wissen, was eine Aktie wert ist.
Nicht, weil Unternehmensanalysen unwichtig wären,
sondern weil die Börse nicht nur aus Unternehmenszahlen besteht.
Der Kurs ist das Ergebnis unzähliger Entscheidungen von Marktteilnehmern.
- Erwartungen verändern sich.
- Zinsen verändern sich.
- Kapitalströme verändern sich.
- Nachrichten verändern die Einschätzungen.
- Und manchmal verändert sich die Wahrnehmung eines Unternehmens schneller, als sich die fundamentalen Kennzahlen verändern.
Deshalb beobachte ich neben den fundamentalen Informationen vor allem das, was der Markt tatsächlich daraus macht.
Der Markt kann länger anders liegen, als wir erwarten.
Diese Erfahrung ist einer der Gründe, warum ich heute lieber einem bestehenden Trend folge, als darauf zu wetten, dass der Markt eine vermeintliche Unterbewertung irgendwann korrigiert.
Warum ich keine Schnäppchen kaufen muss
Ein weiterer Vorteil meiner Strategie ist die enorme Auswahl.
An den internationalen Aktienmärkten gibt es tausende Unternehmen.
Ich muss deshalb nicht versuchen, aus einer gefallenen Aktie wieder einen Gewinner zu machen.
Wenn eine Aktie schwach ist, gibt es möglicherweise hundert andere Aktien, die stärker sind.
Warum sollte ich meine Zeit damit verbringen, eine Aktie zu analysieren, die seit Monaten nicht funktioniert?
Ich kann mich auf die Aktien konzentrieren, die bereits zeigen, dass andere Marktteilnehmer bereit sind, Kapital in sie zu investieren.
Das ist für mich einer der größten Vorteile eines quantitativen Ansatzes.
Ich muss nicht die Zukunft einer einzelnen Aktie kennen. Ich kann die relative Stärke vieler Aktien miteinander vergleichen.
Genau hier liegt die Verbindung zu meinen Wikifolios
Diese Philosophie lässt sich unmittelbar an meinen vier Wikifolios nachvollziehen.
- Beim Global Alpha Leaders liegt der Fokus auf internationalen Aktien und deren relativer Stärke.
- Beim German Alpha Leaders geht es um die stärksten Titel des deutschen Aktienmarktes.
- Das Deutsche Nebenwerte Safari konzentriert sich auf kleinere deutsche Unternehmen, bei denen sich besonders hohes Momentum entwickeln kann.
- Und der Dividenden-Adler verbindet den systematischen Ansatz mit dem Fokus auf Dividenden- und Value-Aktien.
Die vier Wikifolios sind deshalb keine vier zufälligen Aktienportfolios.
Sie sind unterschiedliche Anwendungen derselben Grundidee:
Kapital soll dort eingesetzt werden, wo sich attraktive Trends und relative Stärke zeigen.
Natürlich unterscheiden sich die Ergebnisse und auch die Risiken.
Aber der gemeinsame Nenner ist der regelbasierte Entscheidungsprozess.
Warum ich Trends nicht vorhersagen möchte
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt meiner gesamten Investmentphilosophie.
- Ich möchte nicht vorhersagen, welche Branche im nächsten Jahr die beste sein wird.
- Ich möchte auch nicht wissen, welche Aktie in sechs Monaten auf einem bestimmten Kurs steht.
- Und ich möchte nicht versuchen, den nächsten Börsencrash vorherzusagen.
Das habe ich bereits ausführlicher im Artikel „Warum ich niemals Kursziele abgebe“ erklärt.
Stattdessen möchte ich vorbereitet sein.
- Wenn ein Trend entsteht, möchte ich ihn erkennen.
- Wenn er stärker wird, möchte ich investiert sein.
- Wenn er schwächer wird, möchte ich reagieren.
- Und wenn eine andere Aktie stärker wird, möchte ich die Möglichkeit haben, umzuschichten.
Das klingt weniger spektakulär als eine große Börsenprognose.
Für mich ist es aber wesentlich realistischer.
Der größte Vorteil: Ich muss nicht recht haben
Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus meinem Investmentansatz.
- Ich muss nicht wissen, warum eine Aktie morgen steigt.
- Ich muss nicht wissen, wann genau ein Trend endet.
- Ich muss nicht wissen, welche Aktie in einem Jahr die beste Performance haben wird.
Ich brauche lediglich einen Prozess, der mir hilft, auf Veränderungen zu reagieren.
Das bedeutet auch, dass ich mit falschen Entscheidungen leben kann.
Eine Position kann ausgestoppt oder aufgrund eines schwachen Rankings verkauft werden.
Das ist kein Problem.
Problematisch wird es erst, wenn ich an einer Position festhalte, obwohl mein System längst etwas anderes signalisiert.
Schnäppchen oder Trend – was ist nun besser?
Die Antwort hängt letztlich vom jeweiligen Investmentansatz ab.
- Wer Unternehmen fundamental analysiert und eine langfristige Unterbewertung identifizieren kann, kann mit Value Investing erfolgreich sein.
- Wer starkes Wachstum sucht, kann einen Growth-Ansatz verfolgen.
- Wer wie ich stärker auf Marktverhalten, Momentum und relative Stärke setzt, kann der Trendfolge folgen.
Für mich persönlich ist die Entscheidung nach 30 Jahren Börse allerdings klar:
- Ich möchte lieber Stärke kaufen als Schwäche.
- Ich möchte lieber einem bestehenden Trend folgen, als darauf zu warten, dass sich eine vermeintlich günstige Aktie irgendwann erholt.
- Ich möchte lieber auf das reagieren, was der Markt tatsächlich zeigt, als darauf zu wetten, dass meine eigene Einschätzung irgendwann richtig sein wird.
Mein Investmentprozess in einem Satz
Wenn ich meinen Ansatz auf einen einzigen Satz reduzieren müsste, wäre es dieser:
Ich suche nicht nach Aktien, die billig aussehen.
Ich suche nach Aktien, die sich besser entwickeln als ihre Alternativen.
Daraus entsteht mein gesamter Investmentprozess.
Aktien werden nach definierten Kriterien bewertet.
Die relative Stärke spielt eine zentrale Rolle.
Die Titel werden gerankt.
- Starke Aktien können aufsteigen.
- Schwache Aktien fallen zurück.
- Wenn eine Position die definierten Kriterien nicht mehr erfüllt, wird sie verkauft und durch eine stärkere Aktie ersetzt.
Das ist nicht spektakulär.
Aber es ist nachvollziehbar.
Und vor allem ist es wiederholbar.
Fazit: Ich will nicht die billigste Aktie – ich will den stärksten Trend
Nach 30 Jahren an der Börse bin ich davon überzeugt, dass Anleger häufig zu viel Energie darauf verwenden, den richtigen Preis zu finden.
Natürlich ist Bewertung wichtig.
Natürlich spielen fundamentale Daten eine Rolle.
Aber für meinen Investmentansatz steht eine andere Frage im Mittelpunkt:
- Was macht die Aktie tatsächlich?
- Zeigt sie Stärke?
- Entwickelt sich ein Trend?
- Ist sie stärker als andere Aktien?
- Bleibt sie im Ranking weit oben?
Wenn die Antwort darauf „ja“ lautet, interessiert mich weniger, ob die Aktie bereits 30 oder 50 Prozent gestiegen ist.
Denn ein Trend kann länger laufen, als wir glauben.
Und wenn die Antwort irgendwann „nein“ lautet, bin ich bereit zu verkaufen.
Ohne die Aktie schlechtreden zu müssen.
Ohne meine ursprüngliche Entscheidung zu verteidigen.
Ohne darauf zu hoffen, dass der Markt irgendwann doch noch meiner Meinung folgt.
Das ist für mich der Kern von Trendfolge.
Nicht die Zukunft vorherzusagen,
sondern die Gegenwart zu beobachten und konsequent darauf zu reagieren.
Und genau deshalb suche ich lieber Trends als Schnäppchen.
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So finde ich Momentum Aktien
Die stärksten Momentum Aktien finde ich vollautomatisch mit der Börsesoftware Tai-Pan.
Im folgenden Youtube-Video zeige ich wie das im Detail aussieht.
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Wer sich intensiver mit dem Thema Trendfolge beschäftigen möchte, sollte sich mit der Geschichte des Turtle-Tradings auseinandersetzen.
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Denn die Turtle-Trader versuchten nicht, die günstigsten Aktien zu finden oder den Markt vorherzusagen.
Sie folgten klar definierten Regeln und ließen sich von der Kursentwicklung leiten.
Besonders interessant finde ich dabei die Erkenntnis, dass eine erfolgreiche Strategie nicht darin bestehen muss, möglichst viele Entscheidungen richtig zu treffen. Entscheidend ist vielmehr, Verluste zu begrenzen und die großen Gewinner laufen zu lassen.
Wer verstehen möchte, woher viele Grundprinzipien der modernen Trendfolge stammen und warum regelbasiertes Trading auch ohne permanente Marktprognosen funktionieren kann, bekommt mit diesem Buch einen sehr guten Einblick.
Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich mit Trendfolge, systematischem Trading und regelbasiertem Investieren beschäftigen möchten.

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