02.09.2026
Was ist Momentum Investing?
Momentum Investing einfach erklärt
Momentum Investing klingt zunächst komplizierter, als es eigentlich ist.
Im Kern geht es um eine Beobachtung, die an der Börse seit Jahrzehnten immer wieder zu erkennen ist:
Aktien, die sich bereits stark entwickeln, haben häufig eine höhere Wahrscheinlichkeit, ihren Trend zunächst fortzusetzen.
Das bedeutet nicht, dass eine Aktie steigt, nur weil sie in der Vergangenheit gestiegen ist.
Momentum ist keine Glaskugel und keine Garantie für zukünftige Gewinne.
Es geht vielmehr darum, die aktuelle Stärke des Marktes systematisch zu messen und daraus Investmententscheidungen abzuleiten.
Genau dieser Gedanke spielt in meinem Investmentansatz eine zentrale Rolle.
Nach mehr als 30 Jahren an der Börse habe ich gelernt, dass ich nicht jede Kursbewegung erklären oder vorhersagen muss.
Viel wichtiger ist für mich die Frage:
Welche Aktien zeigen aktuell die stärkste Dynamik und wie lange hält diese Stärke an?
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Warum mich Momentum mehr interessiert als der aktuelle Aktienkurs
Viele Anleger betrachten zunächst den Preis einer Aktie.
„Die Aktie steht bei 30 Euro, also ist sie günstig.“
Oder:
„Die Aktie ist bereits 80 Prozent gestiegen, jetzt kann man doch nicht mehr einsteigen.“
Beides sagt für sich genommen wenig aus.
Eine Aktie bei 30 Euro kann massiv überbewertet sein.
Eine Aktie bei 300 Euro kann dagegen noch immer einen starken Aufwärtstrend aufweisen.
Der absolute Aktienkurs ist für mich deshalb nicht entscheidend.
Ich schaue vielmehr darauf, wie sich eine Aktie im Verhältnis zu anderen Aktien entwickelt.
Genau hier kommt Momentum ins Spiel.
Eine Aktie, die über mehrere Wochen oder Monate deutlich stärker steigt als der Vergleichsmarkt, liefert ein Signal:
Hier ist Nachfrage vorhanden.
Und Nachfrage ist an der Börse ein wichtiger Faktor.
Momentum bedeutet nicht, steigenden Kursen blind hinterherzulaufen
Das ist mir besonders wichtig.
Momentum Investing wird manchmal mit dem Gedanken verwechselt, einfach die Aktien zu kaufen, die gerade am stärksten steigen.
Das wäre mir zu simpel.
Ein einzelner Kurssprung interessiert mich nicht besonders.
Eine Aktie kann nach einer Nachricht innerhalb eines Tages 20 Prozent steigen und anschließend wieder genauso schnell zurückfallen.
Für meinen Ansatz ist deshalb nicht nur die kurzfristige Bewegung entscheidend.
Mich interessiert die Beständigkeit der Stärke.
- Wie entwickelt sich die Aktie über einen längeren Zeitraum?
- Wie steht sie im Vergleich zu anderen Titeln?
- Verbessert oder verschlechtert sich ihr Ranking?
- Und bleibt der übergeordnete Trend intakt?
Erst wenn mehrere Faktoren zusammenpassen, wird aus einer Kursbewegung ein für mich relevantes Signal.
Der Unterschied zwischen Momentum und Trendfolge
Momentum und Trendfolge werden häufig gleichgesetzt.
Ganz identisch sind sie allerdings nicht.
- Momentum beschreibt die Stärke einer Aktie oder eines Marktes.
- Trendfolge beschreibt die Strategie, diese Entwicklung systematisch zu nutzen.
Das lässt sich relativ einfach erklären.
Wenn eine Aktie über einen bestimmten Zeitraum deutlich besser läuft als andere Aktien, besitzt sie Momentum.
Wenn ich diese Information nutze, um die Aktie zu kaufen und so lange zu halten, wie bestimmte Trend- und Stärke-Kriterien erfüllt sind, betreibe ich Trendfolge.
Für mich gehören beide Ansätze deshalb zusammen.
- Momentum hilft mir dabei, Stärke zu erkennen.
- Trendfolge hilft mir dabei, diese Stärke systematisch zu handeln
Warum Gewinner häufig weiterlaufen
Eine der interessantesten Eigenschaften von Momentum ist für mich, dass starke Aktien nicht automatisch nach kurzer Zeit wieder auf ihren Ausgangspunkt zurückfallen.
Das widerspricht zunächst unserem intuitiven Denken.
Wenn eine Aktie bereits 40 Prozent gestiegen ist, erscheint sie vielen Anlegern teuer.
Aber warum sollte ein Kursanstieg von 40 Prozent automatisch bedeuten, dass die Bewegung beendet ist?
- Vielleicht haben sich die Gewinnerwartungen des Unternehmens verändert.
- Vielleicht wächst der Markt schneller als erwartet.
- Vielleicht fließt institutionelles Kapital in den Sektor.
- Vielleicht verbessert sich die Marktposition des Unternehmens.
- Vielleicht gibt es einen ganz anderen Grund.
Entscheidend ist für mich nicht, jede Ursache zu kennen.
Wenn die Aktie weiterhin Stärke zeigt, liefert mir der Markt selbst eine Information.
Der Trend ist noch nicht gebrochen.
Der Markt ist oft schneller als die Unternehmenszahlen
Das ist ein Punkt, den ich nach vielen Jahren an den Märkten besonders interessant finde.
Fundamentale Veränderungen werden häufig erst sichtbar, wenn sie bereits im Aktienkurs verarbeitet sind.
Ein Unternehmen veröffentlicht beispielsweise hervorragende Quartalszahlen.
Die Schlagzeilen erscheinen am nächsten Morgen.
Aber institutionelle Investoren haben möglicherweise bereits Wochen vorher begonnen, ihre Positionen aufzubauen.
Der Kurs beginnt zu steigen, bevor die breite Öffentlichkeit überhaupt über die Nachricht spricht.
Für einen Momentum-Investor ist das interessant,
denn ich muss nicht unbedingt auf die Schlagzeile warten.
Die Kursentwicklung kann bereits zeigen, dass sich die Einschätzung des Marktes verändert.
Natürlich funktioniert das nicht immer.
Aber genau deshalb arbeite ich nicht mit einem einzelnen Signal, sondern mit einem systematischen Bewertungs- und Rankingprozess.
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Relative Stärke: Der entscheidende Vergleich
Momentum wird besonders interessant, wenn man nicht nur die absolute Performance betrachtet.
Nehmen wir zwei Aktien.
Aktie A steigt innerhalb von sechs Monaten um 15 Prozent.
Aktie B steigt um 8 Prozent.
Auf den ersten Blick ist Aktie A eindeutig besser.
Jetzt verändert sich die Perspektive.
Wenn der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum 25 Prozent gestiegen ist, waren beide Aktien relativ schwach.
Fällt der Gesamtmarkt dagegen um 10 Prozent, sieht die Situation völlig anders aus.
Aktie A mit +15 Prozent hätte den Markt deutlich geschlagen.
Genau deshalb ist relative Stärke ein wichtiger Bestandteil meines Investmentprozesses.
Mich interessiert nicht nur, ob eine Aktie steigt.
Ich möchte wissen:
Steigt sie stärker als andere Aktien?
Warum Rankings für meine Strategie so wichtig sind
An diesem Punkt wird aus einer Investmentidee ein Handelssystem.
Ich möchte nicht jeden Abend vor dem Bildschirm sitzen und für jede Aktie eine neue Einschätzung entwickeln.
Das wäre weder effizient noch besonders objektiv.
Stattdessen werden die Aktien in meinem Anlageuniversum anhand definierter Kriterien bewertet und gerankt.
Dadurch entsteht eine Rangfolge.
Die stärkeren Aktien stehen weiter oben.
Die schwächeren Aktien fallen zurück.
Und genau diese Veränderung ist für mich besonders interessant.
Denn ein Ranking zwingt mich dazu, Aktien miteinander zu vergleichen.
- Eine Aktie kann fundamental interessant sein.
- Sie kann eine bekannte Marke besitzen.
- Sie kann eine hohe Dividende zahlen.
- Sie kann von Analysten positiv bewertet werden.
Wenn sie sich im Vergleich zu den Alternativen aber zunehmend schwach entwickelt, wird sie für mein System weniger interessant.
Das ist einer der großen Vorteile eines regelbasierten Ansatzes:
Nicht meine Meinung entscheidet, sondern die Entwicklung der Daten.
Was passiert, wenn eine Aktie im Ranking zurückfällt?
Hier unterscheidet sich mein Ansatz ebenfalls deutlich von einem klassischen „Buy and Hold“ einer festen Aktienauswahl.
Eine Aktie muss ihre Position im System immer wieder bestätigen.
Steigt sie im Ranking, kann sie an Bedeutung gewinnen.
Bleibt sie stark, kann sie weiter gehalten werden.
Fällt sie dagegen deutlich zurück und unterschreitet einen definierten Rang, kann die Konsequenz ein Verkauf sein.
Die frei werdende Position kann anschließend von einer Aktie übernommen werden, die aktuell eine höhere relative Stärke aufweist.
Das klingt technisch.
Im Grunde ist es aber sehr einfach:
Schwache Aktien machen Platz für stärkere Aktien.
Genau diese Dynamik möchte ich in meinen Portfolios abbilden.
So wird Momentum in meinen Wikifolios praktisch
Diese Prinzipien sind nicht nur theoretischer Bestandteil meiner Strategie.
Sie spielen auch bei meinen vier Wikifolios eine zentrale Rolle:
Die vier Wikifolios haben unterschiedliche Schwerpunkte und Anlageuniversen.
Aber bei allen geht es darum, systematisch interessante Aktien zu identifizieren und Veränderungen in der relativen Stärke zu berücksichtigen.
Das bedeutet auch: Die Zusammensetzung eines Wikifolios ist nicht in Stein gemeißelt.
Wenn eine Aktie ihre Stärke verliert, kann sie aus dem Portfolio verschwinden.
Wenn eine andere Aktie im Ranking nach oben steigt, kann sie ihren Platz einnehmen.
Für mich ist genau das der praktische Nutzen eines quantitativen Ansatzes.
Warum ich lieber messe als vermute
Natürlich beobachte ich die Wirtschaft.
Natürlich lese ich Unternehmensnachrichten.
Natürlich interessieren mich Zinsen, Konjunktur und geopolitische Entwicklungen.
Aber bei der konkreten Aktienauswahl möchte ich mich nicht auf eine Prognose verlassen müssen.
Ich möchte Daten.
Ich möchte vergleichbare Kriterien.
Ich möchte ein Ranking.
Und ich möchte klare Regeln dafür, wann eine Position gekauft, gehalten oder verkauft wird.
Das bedeutet nicht, dass mein System immer richtig liegt.
Das kann kein System.
Es bedeutet vielmehr, dass ich nicht jedes Mal neu entscheiden muss, was ich glauben soll.
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Momentum funktioniert nicht immer
So überzeugend Momentum auf den ersten Blick erscheinen mag, es hat selbstverständlich auch Schwächen.
In stark schwankenden oder seitwärts laufenden Märkten können Momentum-Strategien häufiger Fehlsignale produzieren.
Eine Aktie kann kurzfristig stark werden und anschließend wieder deutlich zurückfallen.
Auch schnelle Marktwechsel können problematisch sein.
Deshalb ist Momentum für mich niemals isoliert zu betrachten.
Risikomanagement gehört untrennbar dazu.
Eine gute Strategie muss nicht nur wissen, wann sie investieren möchte.
Sie muss auch wissen, wann sie eine Position wieder verlassen sollte.
Genau hier schließt sich der Kreis zu meiner gesamten Investmentphilosophie.
Momentum zeigt mir, wo Stärke entsteht.
Trendfolge hilft mir, diese Stärke zu nutzen.
Mein regelbasierter Prozess bestimmt, wann ich einsteige, halte oder aussteige.
Und genau daraus entsteht der Ansatz, den ich heute in meinen vier Wikifolios umsetze.
Wie ich Momentum in meinem Handelssystem nutze
Momentum ist für mich kein einzelnes Kaufsignal, sondern ein Baustein meines gesamten Investmentprozesses.
Ich möchte verschiedene Aktien nicht danach beurteilen, welche Geschichte mir am besten gefällt, sondern danach, welche Titel innerhalb ihres Anlageuniversums aktuell die beste Kombination aus Stärke und Trend zeigen.
Dafür werden die Aktien nach definierten Kriterien bewertet und gerankt.
Das Ergebnis ist eine Rangliste, die sich laufend verändern kann.
Genau diese Veränderung ist entscheidend.
Eine Aktie, die heute ganz oben steht, muss dort nicht in drei Monaten noch stehen.
Ein anderer Titel kann an Stärke gewinnen und im Ranking nach oben rücken.
Mein System reagiert auf diese Veränderungen.
Vom Ranking zur Portfolioentscheidung
Das Prinzip lässt sich an einem einfachen Beispiel erklären.
Nehmen wir an, mein Anlageuniversum umfasst 100 Aktien.
Nach den definierten Kriterien entsteht daraus ein Ranking von 1 bis 100.
Eine Aktie auf Rang 8 ist für mein System interessanter als eine Aktie auf Rang 65.
Noch wichtiger ist aber die Entwicklung des Rankings.
Steigt eine Aktie beispielsweise von Rang 40 auf Rang 12, verbessert sich ihre relative Position deutlich.
Fällt eine andere Aktie von Rang 15 auf Rang 55, hat sich ihre Situation entsprechend verschlechtert.
Damit entsteht eine dynamische Auswahl.
Kapital soll dort eingesetzt werden, wo sich die Stärke konzentriert.
Warum ich nicht ständig umschichte
Ein regelbasiertes System bedeutet allerdings nicht, dass jeden Tag gehandelt werden muss.
Das wäre ein Missverständnis.
Auch eine starke Aktie kann kurzfristig schwanken, ohne dass der übergeordnete Trend beschädigt ist.
Deshalb braucht ein Handelssystem klare Regeln dafür, wann eine Veränderung tatsächlich relevant ist.
Ich möchte nicht auf jedes kleine Kursgeräusch reagieren.
Mich interessieren die größeren Veränderungen im Trend und in der relativen Stärke.
Das reduziert nicht nur unnötige Transaktionen, sondern sorgt auch dafür, dass ein bestehender Trend ausreichend Zeit bekommt, sich zu entwickeln.
Ein gutes System muss auch verkaufen können
Über den Kauf von Aktien wird an der Börse sehr viel gesprochen.
Für mich ist der Verkauf mindestens genauso wichtig.
Denn genau dort zeigt sich, ob ein System tatsächlich regelbasiert ist.
Wenn eine Aktie im Ranking deutlich zurückfällt und ein definierter Schwellenwert unterschritten wird, wird sie verkauft.
Nicht weil ich plötzlich davon überzeugt bin, dass das Unternehmen schlecht ist.
Nicht weil ich die Aktie nicht mehr mag.
Sondern weil sie die Kriterien meines Systems nicht mehr erfüllt.
Das kann manchmal unangenehm sein.
Aber genau dafür habe ich Regeln.
Eine Aktie muss nicht schlecht sein, um verkauft zu werden. Sie muss lediglich schlechter sein als die Alternativen.
Das ist der Unterschied zwischen Meinung und System
Angenommen, ich halte eine Aktie für ein hervorragendes Unternehmen.
Die Aktie fällt jedoch im Ranking immer weiter zurück.
Dann habe ich zwei Möglichkeiten.
Ich kann meine ursprüngliche Einschätzung verteidigen und darauf hoffen, dass der Markt irgendwann meine Meinung bestätigt.
Oder ich akzeptiere, dass aktuell andere Aktien stärker sind.
Ich entscheide mich für die zweite Variante.
Das bedeutet nicht, dass meine ursprüngliche Einschätzung zwingend falsch war.
Vielleicht wird die Aktie sechs Monate später wieder interessant.
Dann kann mein System sie erneut erkennen.
Genau diese Möglichkeit ist für mich entscheidend.
Eine verkaufte Aktie ist nicht automatisch für immer aus meinem Anlageuniversum verschwunden.
Momentum und das Problem der späten Einstiege
Natürlich stellt sich an dieser Stelle eine berechtigte Frage:
Ist es nicht gefährlich, eine Aktie erst zu kaufen, nachdem sie bereits stark gestiegen ist?
Ja, das kann es sein.
Jede Strategie hat Risiken.
Ein Momentum-Investor läuft grundsätzlich Gefahr, in einen bereits weit fortgeschrittenen Trend einzusteigen, kurz bevor dieser endet.
Deshalb ist die Qualität des Handelssystems entscheidend.
Es geht nicht darum, möglichst spät irgendeine steigende Aktie zu kaufen.
Es geht darum, Trends anhand definierter Kriterien zu erkennen und die Position zu verlassen, wenn die Stärke nachlässt.
Das Verhältnis zwischen Gewinnchancen und Risiko ist wichtiger als der Versuch, den perfekten Einstieg zu finden.
Was passiert bei einem plötzlichen Marktwechsel?
Besonders interessant wird ein Momentum-System in Phasen, in denen sich die Marktführerschaft verändert.
Ein klassisches Beispiel ist eine Rotation zwischen Sektoren.
- Technologie verliert an Stärke.
- Rohstoffe gewinnen an Stärke.
- Value-Aktien werden stärker.
- Banken beginnen aufzuholen.
Wenn man ein Portfolio statisch aufgebaut hat, muss man diese Entwicklung bewusst erkennen und anschließend handeln.
Ein quantitatives System kann dagegen Veränderungen im Ranking sichtbar machen.
Genau das finde ich spannend.
Der Markt muss mir nicht vorher sagen, dass eine Rotation beginnt.
Ich möchte sehen, dass sie bereits stattfindet.
Was ich aus meinen vier Wikifolios lernen kann
Meine vier Wikifolios bieten dafür unterschiedliche Perspektiven.
Das Global Alpha Leaders betrachtet internationale Aktien und kann dadurch Entwicklungen in verschiedenen Regionen und Sektoren abbilden.
Das German Alpha Leaders konzentriert sich auf den deutschen Aktienmarkt.
Beim Deutsche Nebenwerte Safari liegt der Fokus auf deutschen Nebenwerten, bei denen sich relative Stärke teilweise völlig anders entwickelt als bei den großen Standardwerten.
Der Dividenden-Adler setzt wiederum einen anderen Schwerpunkt und verbindet systematische Auswahl mit Dividenden- und Value-Aktien.
Gerade dieser Vergleich ist interessant.
Denn eine Aktie kann im internationalen Vergleich stark sein, während deutsche Aktien gleichzeitig schwächeln.
Oder Nebenwerte können eine völlig andere Dynamik entwickeln als die großen Indizes.
Ein System, das relative Stärke berücksichtigt, kann diese Unterschiede sichtbar machen.
Warum Momentum kein kurzfristiges Trading bedeutet
Ein weiterer Irrtum ist die Vorstellung, Momentum Investing sei automatisch Daytrading.
Das hat mit meinem Ansatz wenig zu tun.
Ich versuche nicht, jeden kleinen Kursausschlag auszunutzen.
Im Gegenteil: Mich interessieren Trends, die über längere Zeit Bestand haben.
Eine Position kann deshalb durchaus über einen längeren Zeitraum gehalten werden, wenn sie die Kriterien weiterhin erfüllt.
Das Ziel ist nicht möglichst viel Aktivität.
Das Ziel ist möglichst konsequent an starken Trends beteiligt zu sein.
Momentum funktioniert besonders gut mit klaren Regeln
Für mich liegt hier auch der große Vorteil eines quantitativen Systems.
Ein Mensch kann sich sehr leicht von einer guten Geschichte überzeugen lassen.
- Eine Aktie hat ein tolles Produkt.
- Das Management macht einen guten Eindruck.
- Die Branche hat Zukunft.
- Die Bewertung erscheint attraktiv.
All das kann stimmen.
Aber wenn der Kurs und die relative Stärke etwas anderes zeigen, möchte ich diese Information nicht ignorieren.
Mein System zwingt mich dazu, die Daten ernst zu nehmen.
Das schafft eine gewisse Distanz zur eigenen Meinung.
Und genau diese Distanz ist für mich an der Börse wertvoll.
Die Schattenseite: Auch Momentum kann falsch liegen
Momentum ist kein Selbstläufer.
Es gibt Phasen, in denen die Strategie schlechter funktioniert.
Besonders problematisch können schnelle Richtungswechsel und unruhige Seitwärtsmärkte sein.
Dann entstehen möglicherweise mehrere Signale, die kurz darauf wieder korrigiert werden.
Auch starke Aktien können plötzlich einbrechen.
Deshalb gehört Risikomanagement zwingend dazu.
Ich versuche nicht, jeden Verlust zu vermeiden.
Das wäre unrealistisch.
Ich möchte vielmehr verhindern, dass eine einzelne Fehlentscheidung mein gesamtes Portfolio belastet.
Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Warum ich nicht versuche, den Markt zu schlagen, sondern die richtigen Aktien zu finden
Das klingt vielleicht zunächst überraschend.
Natürlich möchte ich mit meinen Strategien eine attraktive Rendite erzielen.
Aber ich sehe meine Aufgabe nicht darin, jeden Monat eine neue Marktprognose abzugeben.
Ich möchte vielmehr ein System betreiben, das mir hilft, interessante Aktien zu identifizieren und schwächere Positionen konsequent zu ersetzen.
Wenn der Gesamtmarkt steigt und meine Aktien stärker steigen, ist das positiv.
Wenn der Markt seitwärts läuft und einzelne Aktien starke Trends entwickeln, können sich ebenfalls Chancen ergeben.
Und wenn sich der Markt deutlich verschlechtert, muss ein gutes System auch in der Lage sein, das Risiko zu reduzieren.
Nicht jede Marktphase muss gleich investiert werden.
Was Momentum für mich nach 30 Jahren Börse bedeutet
Nach drei Jahrzehnten an den Märkten ist Momentum für mich deshalb weniger eine einzelne Kennzahl als eine Denkweise.
Ich frage nicht:
„Welche Aktie ist am billigsten?“
Ich frage:
„Welche Aktie zeigt Stärke?“
Ich frage nicht:
„Wann dreht diese Aktie endlich?“
Ich frage:
„Welche Aktien entwickeln sich bereits besser?“
Und ich frage nicht:
„Warum sollte der Markt meine Einschätzung irgendwann bestätigen?“
Ich frage:
„Was zeigt mir der Markt heute?“
Das ist für mich der entscheidende Unterschied.
Mein Ansatz in drei einfachen Prinzipien
Wenn ich meinen Investmentprozess auf drei Grundprinzipien reduzieren müsste, wären es diese:
1. Stärke erkennen
Ich möchte Aktien identifizieren, die sich besser entwickeln als ihre Alternativen.
2. Trends laufen lassen
Wenn eine Aktie stark bleibt und die Kriterien erfüllt, bekommt sie die Chance, ihren Trend weiterzuentwickeln.
3. Schwäche konsequent verkaufen
Wenn sich die relative Stärke deutlich verschlechtert und die definierten Regeln einen Verkauf auslösen, wird die Position ersetzt.
Das klingt einfach.
Die Herausforderung liegt in der konsequenten Umsetzung.
Und genau deshalb sind Regeln für mich so wichtig.
Fazit: Ich möchte dort investieren, wo Stärke entsteht
Momentum Investing bedeutet für mich nicht, Aktien hinterherzulaufen.
Es bedeutet, die Kräfte des Marktes zu beobachten und systematisch zu nutzen.
Nach mehr als 30 Jahren Börsenerfahrung habe ich für mich entschieden, dass ich nicht versuchen möchte, den Markt permanent vorherzusagen.
Ich möchte beobachten, wo Kapital und relative Stärke bereits sichtbar sind.
Genau daraus entsteht mein regelbasierter Investmentprozess.
Aktien werden bewertet, gerankt und miteinander verglichen. Starke Titel können ins Portfolio kommen. Bleibt der Trend intakt, können sie weiter gehalten werden. Verliert eine Aktie ihre Position und fällt unter einen definierten Rang, wird sie verkauft und durch eine stärkere Aktie ersetzt.
So entsteht ein dynamisches Portfolio.
Und genau diese Philosophie bildet auch die Grundlage meiner vier Wikifolios:
Global Alpha Leaders
German Alpha Leaders
Deutsche Nebenwerte Safari
Dividenden-Adler
Für mich ist das der entscheidende Vorteil eines quantitativen Ansatzes:
Ich muss nicht wissen, welche Aktie morgen steigt.
Ich muss ein System haben, das erkennt, welche Aktien heute Stärke zeigen und auf Veränderungen konsequent reagiert.
Momentum ist dabei kein Orakel.
Aber es ist ein Werkzeug.
Und richtig eingesetzt kann es helfen, genau dort investiert zu sein, wo ein Trend bereits begonnen hat.
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So finde ich Momentum Aktien
Die stärksten Momentum Aktien finde ich vollautomatisch mit der Börsesoftware Tai-Pan.
Im folgenden Youtube-Video zeige ich wie das im Detail funktioniert
Buchempfehlung
Mark Minervini - Handeln wie ein Market Wizard
Mark Minervini gehört zu den bekanntesten Vertretern des Momentum- und Trendfolge-Ansatzes.
In „Handeln wie ein Market Wizard“ geht es weniger um eine klassische Unternehmensbewertung, sondern um die Identifikation starker Aktien, den richtigen Umgang mit Trends und vor allem um konsequente Regeln für Ein- und Ausstiege.
Minervini verbindet relative Stärke, Momentum, Trendstrukturen und Risikomanagement zu einem systematischen Ansatz.
Genau diese Verbindung ist auch für meinen eigenen Investmentprozess interessant.
Für mich ist dabei weniger entscheidend, einzelne Regeln von Minervini zu übernehmen. Spannender ist die grundsätzliche Denkweise:
nicht nach vermeintlich günstigen Aktien suchen, sondern nach Unternehmen, die bereits Stärke zeigen und deren Trend intakt ist.
Wer sich intensiver mit Momentum Investing und der systematischen Auswahl starker Aktien beschäftigen möchte, findet hier eine sehr gute Ergänzung zu diesem Artikel.

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