KI-Aktien unter Druck – FED-Sitzung entscheidet über den nächsten Trend
Die vergangene Börsenwoche hat erneut gezeigt, wie schnell sich die Stimmung an den Märkten verändern kann.
Während der DAX nach zwischenzeitlicher Schwäche zum Wochenschluss wieder Boden gutmachen konnte, gerieten vor allem viele Technologie- und KI-Aktien in den USA deutlich unter Druck.
Ich denke, dass Anleger nach den extremen Kursanstiegen der vergangenen Monate zunehmend kritischer auf die hohen Bewertungen und die enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz blicken.
Besonders die Reaktion auf die Quartalszahlen von Alphabet zeigt, dass starkes Umsatzwachstum allein nicht mehr ausreicht. Entscheidend ist inzwischen, ob sich die Milliardeninvestitionen in KI auch wirtschaftlich auszahlen.
Gleichzeitig rückt die Berichtssaison immer stärker in den Mittelpunkt. Aus meiner Sicht wird sie in den kommenden Wochen darüber entscheiden, ob die Märkte ihre Rekordniveaus verteidigen können oder eine größere Konsolidierung bevorsteht.


Rückblick auf die Börsenwoche
Im Mittelpunkt stand eindeutig der Technologiesektor. Alphabet überzeugte zwar operativ, wurde an der Börse jedoch für die nochmals deutlich erhöhten Investitionen in KI-Rechenzentren abgestraft. Ich halte diese Reaktion für nachvollziehbar.
Immer mehr Investoren fragen sich, wann und vor allem wie sich diese gewaltigen Investitionen tatsächlich auszahlen werden.
Noch kritischer sehe ich derzeit die Entwicklung bei Oracle. Die Aktie hat in den vergangenen Wochen massiv an Wert verloren. Gleichzeitig steigen die Sorgen um die Bonität des Unternehmens deutlich. Die Ausweitung der Credit Default Swaps und die Herabstufung der Bonität zeigen, dass Investoren die Finanzierung der enormen KI-Investitionen zunehmend kritisch beurteilen.
Ich denke, dass dieser Aspekt aktuell noch unterschätzt wird und kurzfristig den gesamten KI-Sektor belasten könnte.
In Deutschland sorgten SAP und Volkswagen für Schlagzeilen. SAP konnte trotz eines angepassten Gewinnausblicks mit einer starken Entwicklung im Cloud-Geschäft überzeugen und sich deutlich erholen.
Volkswagen hingegen musste nach einem weiteren Gewinneinbruch seine Prognosen senken und verdeutlichte erneut die strukturellen Probleme der europäischen Automobilbranche.
Besonders eindrucksvoll war für mich jedoch die Insolvenz von Varta.
Noch vor wenigen Jahren galt das Unternehmen als einer der großen Börsenstars einer Zukunftsbranche.
Heute ist davon kaum noch etwas übrig.
Genau solche Beispiele bestätigen mich immer wieder in meiner Überzeugung, dass konsequentes Risikomanagement wichtiger ist als jede noch so überzeugende Zukunftsgeschichte.


Was die Märkte aktuell bewegt
Ich denke, dass sich die Märkte aktuell in einer entscheidenden Phase befinden.
Die Euphorie rund um KI ist keineswegs verschwunden, sie wird aber zunehmend hinterfragt.
Anleger achten inzwischen deutlich stärker darauf, ob die milliardenschweren Investitionen der großen Technologiekonzerne langfristig auch entsprechende Gewinne liefern.
Hinzu kommt die Geldpolitik.
Die EZB hat wie erwartet keine Überraschungen geliefert und sich alle Optionen für die kommenden Monate offengelassen.
Deutlich spannender wird nun die Sitzung der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche. Ich rechne zwar ebenfalls nicht mit einer Zinssenkung, entscheidend werden jedoch die Aussagen zum weiteren Kurs der Geldpolitik sein.
Jede Andeutung längerer hoher Zinsen könnte die zuletzt ohnehin schwächeren Technologiewerte zusätzlich unter Druck setzen.
Während viele Anleger weiterhin auf einzelne Schlagzeilen reagieren, konzentriere ich mich deutlich stärker auf die Entwicklung der Charts und der relativen Stärke einzelner Aktien. Genau dort entstehen häufig deutlich früher die entscheidenden Warnsignale.



Ausblick auf die kommende Woche
In der kommenden Woche dürfte sich nahezu alles auf die US-Notenbank richten.
Ich erwarte keine Veränderung der Leitzinsen, dafür aber eine sehr genaue Analyse jeder Aussage von Fed-Chef Kevin Warsh hinsichtlich der weiteren Inflations- und Zinserwartungen.
Zusätzlich beginnt mit den Quartalszahlen von Apple, Meta, Microsoft und Amazon eine der wichtigsten Wochen der gesamten Berichtssaison. Aus meiner Sicht werden die eigentlichen Geschäftszahlen fast schon zur Nebensache.
Viel wichtiger wird sein, wie hoch die Unternehmen ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz weiter ausbauen und wie der Kapitalmarkt diese bewertet. Nach der Reaktion auf Alphabet rechne ich hier mit deutlich größeren Kursausschlägen als zuletzt.



Strategischer Kommentar
Die Entwicklung meiner Wikifolios verlief insgesamt stabiler als viele vergleichbare Strategien, obwohl insbesondere Technologie- und KI-Werte unter Druck standen. Gerade in solchen Marktphasen zeigt sich für mich der große Vorteil eines konsequent regelbasierten Momentum-Ansatzes.
Im Dividenden-Adler bleibt die Investitionsquote bei 84 %.
Neu aufgenommen wurde Bayer, während Enagás verkauft wurde.
Bereits in der vergangenen Woche hatte sich angedeutet, dass Dividenden- und Value-Aktien wieder stärker nachgefragt werden. Diese Entwicklung hat sich erneut bestätigt. Nach Jahren, in denen fast ausschließlich KI-, Halbleiter- und Technologiewerte die Schlagzeilen bestimmten, sehe ich gute Chancen, dass klassische Value-Titel wieder stärker in den Fokus institutioneller Anleger rücken.
Im German Alpha Leaders gab es keine Veränderungen.
Die Investitionsquote bleibt bei 85 %. Für mich bestätigt dies, dass trotz der zuletzt schwächeren Entwicklung des DAX aktuell noch kein ausreichendes Verkaufssignal vorliegt. Solange die stärksten deutschen Aktien ihre relative Stärke behaupten, sehe ich keinen Grund für größere Umschichtungen.
Im Deutsche Nebenwerte Safari wikifolio wurde die verbliebene Restposition in Dermapharm vollständig verkauft.
Bereits in der Vorwoche hatte ich aufgrund der BaFin-Untersuchung die Position halbiert.
Dass ich hier bewusst in das eigentlich systematische Handelssystem eingegriffen habe, kommt nur äußerst selten vor.
Ich bin jedoch überzeugt, dass solche außergewöhnlichen Unternehmensmeldungen eine Aktie häufig über viele Monate belasten können. Unsicherheit und schwache Kursentwicklung passen nicht zu meiner Strategie.
Deshalb wurde die Position nun konsequent vollständig beendet. Die Investitionsquote sank dadurch auf aktuell 79 %.
Im Global Alpha Leaders wurde Marubeni verkauft und stattdessen Marvell Technology neu aufgenommen.
Nach dem deutlichen Rücksetzer sehe ich bei Marvell wieder ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Solche Rücksetzer innerhalb langfristiger Aufwärtstrends nutze ich regelmäßig für Neueinstiege. Die Investitionsquote bleibt mit 91 % weiterhin hoch.
Besonders bestätigt fühle ich mich aktuell durch den systematischen Momentum-Ansatz.
Weder SAP noch Volkswagen oder Varta gehörten in den letzten Monaten zu meinen Portfolios.
Gerade Varta zeigt eindrucksvoll, warum ich mich konsequent an objektive Trends halte und nicht an Zukunftsfantasien.
Über Jahre wurde die Aktie von zahlreichen Börsenbriefen und Magazinen als große Zukunftschance gefeiert.
Der Chart zeigte dagegen schon lange eine völlig andere Realität.
Genau deshalb vertraue ich lieber klaren Handelssystemen als optimistischen Prognosen.
Auch bei SAP und Volkswagen hat die Konzentration auf die jeweils stärksten Aktien größere Rückschläge vermieden.
Für die kommende Woche bleiben die Investitionsquoten zunächst unverändert.
Allerdings befinden wir uns nun in den saisonal oft schwierigen Börsenmonaten August und September.
Sollten meine Handelssysteme eine nachlassende Marktbreite oder schwächere Trends signalisieren, kann ich mir gut vorstellen, die Investitionsquoten im Wochenverlauf schrittweise auf maximal rund 75 % zu reduzieren.
Noch liefern die Modelle dafür jedoch keine ausreichenden Signale. Deshalb bleibe ich konsequent meinem regelbasierten Ansatz treu.
Ich wünsche allen eine erfolgreiche Handelswoche.

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Hallo Philipp,
wieder ein interessanter Wochenrückblick. Besonders den Punkt, dass der Markt inzwischen deutlich kritischer auf die hohen KI Investitionen blickt, finde ich nachvollziehbar. Nach der starken Rallye reicht gutes Wachstum allein offenbar nicht mehr aus, die Anleger wollen zunehmend sehen, wann sich die Milliardeninvestitionen auch in den Gewinnen widerspiegeln.
Die Fed Sitzung und die Quartalszahlen der großen Tech Unternehmen dürften jetzt sicherlich die Richtung für die nächsten Wochen vorgeben. Ich bin aber auch gespannt, ob neben Zinsen und Berichtssaison die geopolitische Lage wieder stärker in den Fokus rückt. Dieses Thema scheint aktuell etwas in den Hintergrund geraten zu sein, kann die Stimmung an den Märkten aber jederzeit wieder deutlich beeinflussen.
Ich wünsche eine erfolgreiche Börsenwoche und freue mich schon auf deinen nächsten Wochenkommentar.