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Fokus auf relative Stärke, Trend und Momentum

FED erhöht Zinsen, Ölpreis bleibt Risiko und Halbleiter gewinnen an Momentum


Steigende Ölpreise und die damit verbundenen Inflationsrisiken haben die Anleger verunsichert und insbesondere die europäischen Aktienmärkte belastet.Die vergangene Börsenwoche war erneut von den Themen Zinsen, Inflation und Ölpreis geprägt.

Die US-Notenbank hat den Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte angehoben, was an den Märkten allerdings kaum für Überraschung sorgte.

Für mich war deshalb weniger die Zinsentscheidung selbst entscheidend, sondern vielmehr die Frage, wie sich der hohe Ölpreis und damit der Inflationsdruck in den kommenden Wochen entwickeln werden.

Gleichzeitig zeigt sich am Aktienmarkt ein zunehmend zweigeteiltes Bild:
Auf der einen Seite stehen Unternehmen mit schwachen Nachrichten und entsprechendem Kursdruck, auf der anderen Seite bauen insbesondere Halbleiter- und Technologiewerte wieder Momentum auf.
Ich denke, dass diese Differenzierung in den kommenden Wochen sogar noch wichtiger werden könnte.
Für meine Strategie bedeutet das, dass ich weniger auf die kurzfristige Richtung des Gesamtmarktes und stärker auf relative Stärke, Trend und Momentum einzelner Aktien schaue.

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Rückblick auf die Börsenwoche

Die wichtigste Nachricht der vergangenen Woche kam erwartungsgemäß aus den USA.
Die Federal Reserve erhöhte am Mittwoch den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent.
Die Entscheidung fiel einstimmig und war von den Märkten bereits weitgehend erwartet worden.
Entsprechend blieb die unmittelbare Reaktion an den Aktienmärkten relativ gering.
Gleichzeitig machte die Fed deutlich, dass die Inflation weiterhin erhöht ist und die weitere Geldpolitik von der wirtschaftlichen Entwicklung und den Inflationsrisiken abhängen wird.

Für mich war deshalb der Ölpreis in dieser Woche mindestens genauso wichtig wie die Fed-Entscheidung.
Die Rohölpreise blieben trotz zwischenzeitlicher Entspannung auf einem hohen Niveau und bewegten sich weiterhin um die Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Gleichzeitig überschritten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise die Marke von 5 Prozent.
Diese Kombination aus hohen Energiepreisen und hohen Anleiherenditen bleibt aus meiner Sicht ein schwieriges Umfeld für den Aktienmarkt.

Auch an den europäischen Börsen war die Woche von hoher Differenzierung geprägt.
Der DAX verlor auf Wochenbasis 1,03 Prozent und schloss bei 25.304 Punkten. Besonders schwach präsentierten sich die deutschen Nebenwerte: Der MDAX gab 1,83 Prozent nach, der SDAX verlor 1,31 Prozent. Der EuroStoxx 50 büßte 1,41 Prozent ein. Der S&P 500 blieb dagegen nahezu unverändert, während der Nasdaq 100 sogar um 0,94 Prozent zulegen konnte.

Am Freitag sorgte zusätzlich der große Verfallstag für Bewegung an den europäischen Märkten.
Der DAX geriet dabei deutlich unter Druck. Gleichzeitig wurde erneut sichtbar, dass einzelne Branchen erheblich stärker belastet werden als andere.
Besonders Auto- und Telekomwerte standen unter Druck. Volkswagen reduzierte seine Prognose für 2026 deutlich und kündigte hohe Sonderbelastungen an. Die Aktie verlor daraufhin kräftig. Auch im Telekomsektor kam es zu deutlichen Kursverlusten.

Auf der anderen Seite zeigten sich die US-Technologiewerte wesentlich stabiler.
Besonders interessant war für mich die Entwicklung bei den Halbleitern. Der Nasdaq konnte trotz des schwierigen Zinsumfelds zulegen, unterstützt durch eine Erholung bei verschiedenen Chipaktien.
Auch die Nachricht über eine ausgeweitete Zusammenarbeit zwischen GlobalFoundries und Marvell im Bereich der Chipkapazitäten für KI-Rechenzentren sorgte bei Marvell für einen deutlichen Kursanstieg

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Was die Märkte aktuell bewegt

Ich denke, dass der Markt momentan sehr stark zwischen zwei unterschiedlichen Geschichten aufgeteilt ist.

Auf der einen Seite stehen Inflation, Ölpreis, Anleiherenditen und die Geldpolitik der Notenbanken.
Solange der Ölpreis auf einem hohen Niveau bleibt, dürfte es für die Notenbanken schwierig sein, schnell zu einer deutlich lockereren Geldpolitik zurückzukehren. Genau deshalb erwarte ich auch in den kommenden Wochen eine erhöhte Sensibilität der Anleger gegenüber neuen Inflations- und Zinsdaten.

Auf der anderen Seite sehe ich aber einen Aktienmarkt, der keineswegs flächendeckend schwach ist.
Vielmehr wird wieder sehr genau zwischen Gewinnern und Verlierern unterschieden. Für mich ist das ein entscheidender Punkt.

Unternehmen wie Volkswagen, Bilfinger oder schwache Telekomwerte spielen in meinen Wikifolios keine große Rolle, wenn Trend und Momentum nicht mehr stimmen. Ich versuche nicht, eine Aktie zu halten, nur weil sie fundamental günstig erscheint oder irgendwann wieder bessere Zeiten kommen könnten.
Mein Ansatz ist ein anderer: Wenn der Markt eine Aktie nicht mehr unterstützt und die relative Stärke verloren geht, wird sie für mein Handelssystem uninteressant.

Genau umgekehrt sieht es derzeit bei Teilen des Halbleitersektors aus. Micron Technologies, Marvell Technologies und Intel zeigen für mich wieder interessante Ansätze. Auch bei deutschen Halbleiter- und Technologiewerten wie Infineon, Aixtron, Siltronic oder Jenoptik sehe ich eine Entwicklung, die ich genau beobachten werde.

Ich denke, dass hier möglicherweise eine neue Rotation entsteht.
Ob daraus tatsächlich ein nachhaltiger Trend wird, muss sich erst zeigen.
Aber genau dafür sind meine Handelssysteme aus meiner Sicht geeignet: Ich muss nicht vorher wissen, ob die Halbleiterbranche in den kommenden Monaten tatsächlich der nächste große Gewinner wird.
Ich muss lediglich erkennen, ob sich bei den entsprechenden Aktien eine nachhaltige relative Stärke entwickelt.

Das ist für mich ein wichtiger Unterschied zu einer klassischen Prognosestrategie.
Mein System muss nicht wissen, wie sich der Ölpreis entwickelt oder wann die Fed die nächste Entscheidung trifft.
Es reagiert auf das, was der Markt tatsächlich macht.


Ausblick auf die kommende Woche

Für die kommende Börsenwoche erwarte ich weiterhin einen volatilen Aktienmarkt.
Die Fed-Entscheidung ist inzwischen verarbeitet. Jetzt dürfte zunehmend die Frage in den Mittelpunkt rücken, wie sich der weitere Zinspfad entwickelt und ob die hohen Anleiherenditen Bestand haben.

Besonders wichtig bleibt für mich der Ölpreis. Sollte Brent dauerhaft oberhalb von 100 US-Dollar bleiben, dürfte das Thema Inflation wieder stärker in den Vordergrund rücken. Gleichzeitig könnten hohe Anleiherenditen insbesondere zinssensitive Aktien und hoch bewertete Unternehmen belasten. Ich erwarte deshalb nicht, dass der Markt kurzfristig wieder in einen gleichmäßigen Aufwärtstrend übergeht.

Gleichzeitig sehe ich keinen Grund, jetzt aufgrund einzelner schwacher Börsentage hektisch die Aktienquote zu reduzieren. Meine Investitionsquoten bewegen sich derzeit im Bereich von rund 70 bis 80 Prozent und sollen in der kommenden Woche grundsätzlich so beibehalten werden.

Viel wichtiger wird für mich die Entwicklung der relativen Stärke einzelner Aktien sein. Sollte sich das Momentum bei den Halbleitern weiter verbessern, könnte dieser Bereich zu einem wichtigen Treiber für den Aktienmarkt werden. Gerade Micron Technologies, Marvell Technologies, Intel sowie Infineon, Aixtron, Siltronic und Jenoptik werde ich deshalb besonders genau beobachten.
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Wikifolio

Bei meinen Wikifolios hat die vergangene Woche erneut gezeigt, warum die konsequente Orientierung an Trend und Momentum für mich so wichtig ist. Der Gesamtmarkt war überwiegend schwach, gleichzeitig gab es aber deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Segmenten und Aktien. Genau diese Unterschiede versucht mein Handelssystem auszunutzen.


Besonders hervorheben möchte ich das Deutsche Nebenwerte Safari.
Das Wikifolio verlor in der vergangenen Woche zwar 1,04 Prozent, konnte sich damit aber deutlich besser behaupten als der MDAX mit -1,83 Prozent und auch besser als der SDAX mit -1,31 Prozent.
Für mich ist diese relative Stärke wesentlich aussagekräftiger als der absolute Wochenverlust.
Wenn ein Wikifolio in einem schwachen Marktsegment weniger verliert als seine Benchmark, zeigt das, dass die Auswahl der enthaltenen Aktien funktioniert.

In der vergangenen Woche gab es beim Deutschen Nebenwerte Safari keine Käufe und keine Verkäufe. Das ist für mich ebenfalls eine wichtige Information. Ein regelbasiertes Handelssystem muss nicht permanent handeln. Wenn die vorhandenen Positionen weiterhin ausreichend relative Stärke zeigen, gibt es keinen Grund, nur wegen eines schwachen Gesamtmarktes Veränderungen vorzunehmen.

Beim Dividenden-Adler wurde dagegen aktiv auf Veränderungen im Marktumfeld reagiert.
Neu ins Wikifolio aufgenommen wurden Evonik und Indus. Gleichzeitig wurden Deutsche Post und BASF verkauft.
Die Wochenperformance lag mit -0,78 Prozent zwar im negativen Bereich, entscheidend ist für mich aber die konsequente Umsetzung des Systems.

Gerade der Verkauf von Aktien zeigt, dass der Dividenden-Adler kein klassisches Dividenden-Buy-and-Hold-Depot ist.
Auch hier spielen Trend und Momentum eine wichtige Rolle. Eine hohe Dividendenrendite alleine reicht nicht aus, wenn die technische Entwicklung der Aktie nicht mehr überzeugt. Umgekehrt können Aktien neu aufgenommen werden, wenn sich ihre relative Stärke verbessert.

Beim German Alpha Leaders kam mit Deutz ebenfalls ein neuer Titel hinzu. Gleichzeitig wurde Hochtief verkauft.
Das Wikifolio verlor in der vergangenen Woche 1,36 Prozent. Auch hier sehe ich die Entwicklung vor allem vor dem Hintergrund des insgesamt schwierigen deutschen Aktienmarktes.

Für mich ist es entscheidend, dass die Handelssysteme nicht emotional auf einzelne Börsentage reagieren.
Wenn eine Aktie die Anforderungen nicht mehr erfüllt, wird sie verkauft.
Wenn eine andere Aktie eine bessere relative Stärke entwickelt, kann sie aufgenommen werden.
Genau dadurch entsteht im Laufe der Zeit eine laufende Anpassung an das tatsächliche Marktumfeld.

Beim Global Alpha Leaders war das Bild dagegen deutlich positiver.
Das Wikifolio konnte in der vergangenen Woche um 1,30 Prozent zulegen und damit eine auffallend positive Wochenperformance erzielen. Gleichzeitig liegt die Performance seit Jahresbeginn mittlerweile bei 14,01 Prozent. Damit hat sich das Wikifolio in einem insgesamt schwierigen Marktumfeld vergleichsweise stark entwickelt.
Neu aufgenommen wurde Wheaton Precious Metals. Bei Teva Pharmaceuticals erfolgte der Verkauf aufgrund des Delistings.


Insgesamt zeigt die vergangene Woche für mich ein interessantes Bild.
Drei meiner vier Wikifolios mussten zwar auf Wochenbasis Verluste hinnehmen, beim Deutschen Nebenwerte Safari war der Rückgang aber deutlich geringer als bei MDAX und SDAX. Gleichzeitig konnte der Global Alpha Leaders sogar 1,30 Prozent zulegen. Das bestätigt für mich erneut, dass die Betrachtung des Gesamtmarktes alleine zu kurz greift.

Ich werde deshalb die Investitionsquoten meiner Wikifolios im Bereich von rund 70 bis 80 Prozent in der kommenden Woche beibehalten. Ich sehe aktuell keinen Grund, wegen der höheren Volatilität komplett aus dem Markt zu gehen. Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht voll investiert sein, solange Ölpreis, Inflation und Anleiherenditen für Unsicherheit sorgen.

Besonders aufmerksam werde ich in der kommenden Woche auf die Halbleiterwerte schauen.
Wenn Micron Technologies, Marvell Technologies und Intel ihre Stärke bestätigen und gleichzeitig Infineon, Aixtron, Siltronic oder Jenoptik weiter an Momentum gewinnen, könnte daraus ein interessanter neuer Trend entstehen.

Für mich bleibt dabei die wichtigste Erkenntnis:
Ich möchte nicht vorhersagen, welche Branche als Nächstes gewinnt. Ich möchte erkennen, wenn eine Branche tatsächlich beginnt, Stärke zu entwickeln. Genau darin sehe ich die Stärke meiner Momentum-Strategie.
Solange die Handelssysteme klare relative Stärke bei einzelnen Aktien erkennen, sehe ich keinen Anlass, meine Wikifolios grundsätzlich defensiver auszurichten.

Ich wünsche allen eine erfolgreiche Handelswoche.
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Ein Gedanke zu “FED erhöht Zinsen, Ölpreis bleibt Risiko und Halbleiter gewinnen an Momentum

  1. FG Frank Götzel sagt:

    Danke für den ausführlichen Wochenrückblick, Philipp. Interessant finde ich vor allem das Spannungsfeld zwischen den hohen Ölpreisen, den Anleiherenditen und der gleichzeitigen Stärke einzelner Technologiewerte. Während die makroökonomischen Rahmenbedingungen den Gesamtmarkt belasten können, zeigt sich gerade bei den Halbleitern, dass sich Kapital und Momentum durchaus auf bestimmte Bereiche konzentrieren.

    Die spannende Frage ist für mich deshalb weniger, ob der Halbleitersektor grundsätzlich weiter interessant bleibt, sondern welche Titel innerhalb dieser Branche ihre relative Stärke auch bei anhaltendem Druck durch Zinsen und Inflation verteidigen können. Genau diese Unterschiede zwischen den einzelnen Aktien machen einen regelbasierten Ansatz interessant.

    Auch der Gedanke, nicht auf eine bestimmte Marktrichtung angewiesen zu sein, sondern auf die tatsächliche Kursentwicklung zu reagieren, ist in dieser Marktphase nachvollziehbar. Ich bin gespannt, ob sich die aktuelle Stärke bei den Chipwerten weiter ausbreitet oder ob wir innerhalb des Sektors eine zunehmende Differenzierung sehen.

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