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Fokus auf relative Stärke, Trend und Momentum

Öl, Zinsen und Inflation haben die Börsen im Griff

Die vergangene Börsenwoche hat erneut gezeigt, dass die Zinsentwicklung derzeit zu einem der wichtigsten Kurstreiber an den internationalen Aktienmärkten wird.
Steigende Ölpreise und die damit verbundenen Inflationsrisiken haben die Anleger verunsichert und insbesondere die europäischen Aktienmärkte belastet.

Der DAX verlor auf Wochensicht rund 1,8 %, während auch MDAX und SDAX deutlich nachgaben. Gleichzeitig bleibt die langfristige Aufwärtsbewegung an den Märkten grundsätzlich intakt, weshalb ich aktuell noch nicht von einem nachhaltigen Trendbruch sprechen würde.

Für mich verschiebt sich der Fokus allerdings immer stärker von der Konjunktur auf die Frage, wie lange die Notenbanken angesichts der wieder steigenden Inflation an einer restriktiven Geldpolitik festhalten müssen.
Die EZB hat in dieser Woche die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben und damit deutlich gemacht, dass die Inflationsrisiken weiterhin ernst genommen werden.
Ich erwarte deshalb, dass die kommende Woche mit der Fed-Entscheidung deutlich volatiler werden könnte.


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Rückblick auf die Börsenwoche

Im Mittelpunkt der vergangenen Handelswoche standen eindeutig Inflation, Ölpreise und die Geldpolitik der Notenbanken. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten sorgten erneut für einen deutlichen Anstieg der Ölpreise und damit für neue Inflationssorgen. Brent notiert wieder über 100 US-Dollar je Barrel. Genau hier sehe ich derzeit einen der größten Unsicherheitsfaktoren für die Börsen.

Die EZB reagierte darauf am Donnerstag mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Der Einlagensatz steigt damit auf 2,50 %. Gleichzeitig betonte die EZB, dass der Konflikt im Nahen Osten weiterhin Inflationsdruck erzeugt und sich die Inflation länger über dem Zielwert halten könnte.

Ich sehe diese Zinserhöhung allerdings kritisch. Meiner Meinung nach wird eine höhere Geldpolitik den eigentlichen Auslöser der aktuellen Inflation – die hohen Energiepreise – nur begrenzt beeinflussen. Wenn Öl und damit Benzin, Transport und Produktionskosten steigen, lässt sich dieser externe Preisschock aus meiner Sicht nicht einfach mit höheren Zinsen bekämpfen. Genau deshalb steht die EZB vor einem schwierigen Dilemma.

Auch in den USA bleibt die Situation angespannt. Die US-Inflation lag im August bei 3,4 % und damit weiterhin deutlich über dem Ziel der Federal Reserve. Gleichzeitig stieg die Kerninflation im Monatsvergleich um 0,3 %. Die höheren Energiepreise sind dabei ein wesentlicher Faktor.

An den Aktienmärkten führte diese Kombination aus hoher Inflation, steigenden Anleiherenditen und unsicherem Zinsausblick zu einer schwächeren Woche. Besonders auffällig war für mich jedoch die unterschiedliche Entwicklung einzelner Marktsegmente. Während die großen Indizes unter Druck standen, konnten sich bestimmte Aktien und Sektoren deutlich besser behaupten.

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Was die Märkte aktuell bewegt

Ich denke, dass wir aktuell an einem wichtigen Punkt für die Börsen stehen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind keineswegs schlecht, aber die Kombination aus hohen Ölpreisen, hartnäckiger Inflation und steigenden Zinsen verändert die Bewertung vieler Aktien.

Besonders kritisch sehe ich dabei die Entwicklung der Anleiherenditen.
Wenn sichere Anleihen wieder höhere Renditen bieten, steigt der Druck auf Aktienbewertungen. Das gilt insbesondere für hoch bewertete Technologie- und Wachstumsaktien, deren zukünftige Gewinne bei höheren Diskontierungssätzen weniger attraktiv erscheinen.

Gleichzeitig halte ich es für zu früh, deshalb grundsätzlich bearish zu werden.
Die europäischen Aktienmärkte haben in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte relative Stärke gezeigt. Auch die Unternehmensgewinne und die konjunkturellen Perspektiven liefern weiterhin Argumente für Aktien.

Für mich kommt es deshalb aktuell weniger darauf an, ob der Markt kurzfristig steigt oder fällt. Entscheidend ist vielmehr, welche Aktien ihre relative Stärke behaupten. Genau hier sehe ich den großen Vorteil meines regelbasierten Momentum-Ansatzes.
Ich muss nicht vorhersehen, welche politische Entscheidung oder welche wirtschaftliche Entwicklung eintreten wird.
Ich kann beobachten, welche Aktien tatsächlich Stärke zeigen und mein Portfolio entsprechend ausrichten.

Das Zinsthema könnte meiner Meinung nach für einen durchaus heißen Herbst an den Börsen sorgen.
Sollte die Inflation aufgrund der hohen Energiepreise weiter hartnäckig bleiben, könnten die Notenbanken gezwungen sein, länger restriktiv zu bleiben oder sogar weitere Zinserhöhungen vorzunehmen.
Gleichzeitig würde eine weitere Verschärfung der Geldpolitik die Konjunktur belasten. Genau dieser Zielkonflikt dürfte uns in den kommenden Wochen begleiten.
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Ausblick auf die kommende Woche

Die kommende Woche dürfte für die internationalen Aktienmärkte besonders wichtig werden. Im Mittelpunkt steht ganz klar die Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch.

Nach den zuletzt wieder höheren Inflationsdaten wird die entscheidende Frage sein, ob die Fed die Zinsen anhebt und vor allem, welchen Ausblick Fed-Chef Kevin Warsh für die kommenden Monate gibt. Die Märkte dürften dabei nicht nur auf die eigentliche Zinsentscheidung schauen. Noch wichtiger wird aus meiner Sicht die Kommunikation der Notenbank sein.

Ich erwarte deshalb eine deutlich erhöhte Volatilität rund um den Fed-Termin. Sollte die Fed einen weiterhin restriktiven Kurs signalisieren, könnten insbesondere Technologie- und Wachstumswerte unter Druck geraten. Ein vorsichtigerer Ton könnte dagegen für eine Erholung an den Aktienmärkten sorgen.

Hinzu kommt, dass die Ölpreisentwicklung weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Sollten die Energiepreise weiter steigen, würde dies den Inflationsdruck zusätzlich erhöhen und gleichzeitig die Spielräume der Notenbanken einschränken.

Nach der Fed-Entscheidung dürften sich die Blicke zunehmend auf die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft und auf die anstehenden US-Midterm-Wahlen richten. Ich rechne auch hier in den kommenden Wochen mit zusätzlichen politischen und wirtschaftlichen Störfaktoren.
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Wikifolio

Bei meinen Wikifolios hat sich in der vergangenen Woche vor allem eines gezeigt: Der regelbasierte Ansatz kann in schwierigen Marktphasen einen wichtigen Unterschied machen. Besonders deutlich wurde dies beim Deutsche Nebenwerte Safari.


Während der MDAX in der vergangenen Woche rund 2,1 % verlor und auch der SDAX mehr als 2 % nachgab, konnte das Deutsche Nebenwerte Safari sogar leicht zulegen.
Mit einem Wochenplus von 0,63 % entwickelte sich das Wikifolio damit deutlich besser als die beiden relevanten Nebenwerte-Indizes. Für mich ist das eine sehr interessante Entwicklung, weil gerade Nebenwerte in einem schwierigen Marktumfeld normalerweise besonders anfällig für stärkere Rückschläge sind.

Ich führe diese relative Stärke vor allem auf die konsequente Auswahl der Aktien zurück.
Mein Handelssystem konzentriert sich nicht darauf, den gesamten Nebenwerte-Markt abzubilden, sondern sucht gezielt nach Aktien mit einer besseren relativen Stärke und einem intakten Trend.
Wenn sich das Marktumfeld verschlechtert, kann diese Selektion einen erheblichen Unterschied machen.

Auch bei den anderen Wikifolios gab es in der vergangenen Woche keine Positionsveränderungen.
Meine Handelssysteme geben keinen Grund hektisch auf die kurzfristige Schwäche der Märkte zu reagieren.
Viel wichtiger ist für mich, ob sich die technischen Trends nachhaltig verschlechtern.

Die Investitionsquoten meiner vier Wikifolios bewegen sich derzeit insgesamt im Bereich von etwa 70 bis 80 %.
Diese Positionierung werde ich auch in der kommenden Woche zunächst beibehalten. Ich halte es aktuell für sinnvoll, nicht vollständig investiert zu sein, gleichzeitig aber auch nicht unnötig stark auf fallende Kurse zu setzen.

Das Dividenden-Adler wikifolio zeigte sich dabei erneut vergleichsweise stabil.
Das passt zu meiner aktuellen Einschätzung, dass klassische Value- und Dividendenwerte in einem Umfeld höherer Zinsen und größerer Unsicherheit weiterhin interessant bleiben können.
Bei steigenden Renditen und zunehmender Volatilität gewinnen solide Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und attraktiven Ausschüttungen aus meiner Sicht wieder an Bedeutung.

Auch beim German Alpha Leaders bleibt die Selektion entscheidend.
Die vergangene Woche hat erneut gezeigt, dass der DAX zwar schwächer tendieren kann, einzelne deutsche Aktien aber trotzdem ihre relative Stärke behaupten. Genau diese Unterschiede versucht mein Handelssystem herauszufiltern.

Beim Global Alpha Leaders bleibt die Investitionsquote ebenfalls bewusst reduziert.
Gerade das internationale Portfolio reagiert stärker auf die Entwicklung der US-Technologieaktien, die besonders empfindlich auf Veränderungen bei Zinsen und Anleiherenditen reagieren können.
Ich möchte deshalb weiterhin ausreichend Flexibilität behalten, sollte sich das Marktbild in den kommenden Wochen nachhaltig verändern.

Insgesamt bin ich mit der aktuellen Positionierung zufrieden.
Ich denke, dass wir uns in einer Phase befinden, in der es wichtiger ist, Risiken zu kontrollieren als jeden kurzfristigen Kursanstieg mitzunehmen. Gleichzeitig liefern die Märkte keine Signale für einen größeren Abschwung. Deshalb bleibe ich investiert, aber bewusst nicht mit maximaler Quote.

Für mich wird die kommende Woche deshalb zu einem wichtigen Test.
Die Fed, die Entwicklung der Ölpreise und die Reaktion der Anleiherenditen werden zeigen, ob die aktuelle Marktschwäche lediglich eine normale Konsolidierung darstellt oder ob sich daraus eine größere Korrektur entwickelt.
Meine Wikifolios bleiben zunächst mit Investitionsquoten zwischen 70 und 80 % positioniert. Sollte mein Handelssystem eine nachhaltige Verschlechterung der Marktbreite und der relativen Stärke erkennen, werde ich die Risiken entsprechend weiter reduzieren.

Ich wünsche allen eine erfolgreiche Handelswoche.
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Ein Gedanke zu “Öl, Zinsen und Inflation haben die Börsen im Griff

  1. FG Frank Götzel sagt:

    Sehr interessanter Beitrag, Philipp!
    Gerade die Kombination aus Ölpreisen, Inflation und der damit verbundenen Unsicherheit bei der weiteren Zinspolitik macht die aktuelle Marktlage wirklich spannend.

    Besonders gut gefällt mir dein Ansatz, nicht ständig versuchen zu müssen, die nächste Marktbewegung vorherzusagen, sondern auf die tatsächliche relative Stärke der Aktien zu reagieren. Genau deshalb nutze ich seit kurzem ebenfalls deinen Weekly Momentum Boost und bin bisher wirklich sehr zufrieden damit.

    Ich kann das Tool absolut empfehlen. Gerade in solchen Marktphasen finde ich es hilfreich, einen klaren, regelbasierten Ansatz zu haben und nicht bei jeder Schlagzeile seine eigene Strategie infrage zu stellen.

    Bin gespannt, was die Fed nächste Woche macht. Dürfte auf jeden Fall eine interessante Woche werden. Danke für den ausführlichen und wie immer sehr nachvollziehbaren Wochenrückblick!

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