Ruhige Börsenwoche, aber die Risiken bleiben
Die vergangene Börsenwoche verlief insgesamt erstaunlich ruhig.
Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Wochen zeigten sich die internationalen Aktienmärkte weitgehend stabil, wobei insbesondere die europäischen Börsen ihre relative Stärke behaupten konnten.
Der DAX bewegte sich weiterhin in der Nähe seiner Rekordstände und konnte die Woche mit einem leichten Plus beenden.
Auch an der Wall Street blieben die großen Indizes nahe ihrer Höchststände, obwohl zuletzt wieder stärker auf die Konjunktur- und Zinsentwicklung geschaut wurde.
Gleichzeitig zeigt sich für mich immer deutlicher, dass die Märkte aktuell zwischen zwei sehr unterschiedlichen Szenarien schwanken: einer weiterhin robusten Aktienmarktentwicklung und zunehmenden Signalen für eine Abkühlung der US-Wirtschaft.
Die erste Augusthälfte ist damit deutlich besser verlaufen, als es die saisonal schwache Ausgangslage vermuten ließ.
Ich denke trotzdem, dass die kommenden Wochen anspruchsvoller werden könnten.
Gerade deshalb halte ich an meiner vorsichtigeren Positionierung fest, auch wenn die Charts aktuell noch keine ausgeprägte Schwäche zeigen.


Rückblick auf die Börsenwoche
Im Mittelpunkt der vergangenen Börsenwoche standen vor allem die US-Konjunkturdaten und die Frage nach dem weiteren Kurs der US-Notenbank. Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juli um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr und damit etwas weniger stark als im Juni. Gleichzeitig blieb die Kerninflation vergleichsweise moderat. Auch die Erzeugerpreise lieferten kein neues Inflationssignal, der Gesamtindex blieb im Juli unverändert.
Auf der anderen Seite fiel der US-Arbeitsmarkt zuletzt deutlich schwächer aus. Im Juli gingen außerhalb der Landwirtschaft 23.000 Stellen verloren, während die Beschäftigungszahlen für die beiden Vormonate ebenfalls nach unten revidiert wurden.
Dazu kamen schwächere Einzelhandelsumsätze. Für mich ist genau diese Kombination interessant: Die Konjunktur zeigt erste Bremsspuren, gleichzeitig ist die Inflation noch nicht dort, wo die Fed sie gerne sehen würde.
An den Aktienmärkten führte das zunächst nicht zu größeren Verwerfungen. Im Gegenteil: Die Hoffnung auf eine weniger restriktive Geldpolitik stützte die Kurse. Der S&P 500 und Nasdaq konnten ihre hohen Niveaus behaupten, während der DAX seine Stärke ebenfalls verteidigte.
Am Freitag sorgten allerdings steigende Ölpreise und die schwächeren US-Konjunkturdaten für etwas Zurückhaltung. Der DAX beendete die Woche dennoch mit einem Plus von rund 0,5 %.
Besonders auffällig finde ich weiterhin die Stärke der europäischen Aktienmärkte. Zwar beendete der europäische Gesamtmarkt seine vierwöchige Gewinnserie, der Rückgang fiel mit rund 0,3 % aber überschaubar aus. Gleichzeitig liegt der Markt weiterhin nahe seinen Rekordständen. Für mich ist das ein wichtiges Signal: Europa wird von internationalen Anlegern zunehmend stärker beachtet und profitiert unter anderem von einer geringeren Abhängigkeit vom großen KI- und US-Tech-Komplex.


Was die Märkte aktuell bewegt
Was die Märkte aktuell bewegt, ist aus meiner Sicht deshalb weniger eine einzelne Nachricht als vielmehr der zunehmende Zielkonflikt der Notenbanken.
Die US-Wirtschaft verliert an Dynamik, gleichzeitig liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem Ziel der Fed.
Eine schnelle und aggressive Lockerung der Geldpolitik halte ich deshalb weiterhin für unwahrscheinlich.
Gleichzeitig kann die Fed die schwächeren Arbeitsmarkt- und Konsumsignale nicht einfach ignorieren.
Genau diese Mischung macht die aktuelle Situation für mich interessant.
Einerseits sind die Aktienmärkte technisch weiterhin stark. Andererseits gibt es genügend potenzielle Störfaktoren, die eine größere Korrektur auslösen könnten.
Steigende Anleiherenditen, die Entwicklung der Inflation, ein weiterhin schwer einzuschätzender Kurs der Fed und die geopolitische Situation rund um den Iran gehören für mich zu den wichtigsten Risiken.
Auch die zuletzt wieder steigenden Ölpreise können über die Inflation schnell zum Thema für die Aktienmärkte werden.
Ich denke deshalb nicht, dass man aktuell zwingend bearish sein muss.
Im Gegenteil: Die Charts sprechen weiterhin für einen intakten Aufwärtstrend.
Aber genau deshalb möchte ich mich auch nicht von der guten Entwicklung der ersten Augusthälfte dazu verleiten lassen, das Risiko wieder unnötig hochzufahren. Für mich ist ein starker Markt nicht automatisch ein Grund, voll investiert zu sein.


Ausblick auf die kommende Woche
In der kommenden Woche dürfte insbesondere das FOMC-Sitzungsprotokoll am Mittwochabend interessant werden.
Die Fed hat bei ihrer Sitzung Ende Juli den Leitzins unverändert gelassen.
Am 19. August werden nun die Protokolle dieser Sitzung veröffentlicht. Ich erwarte hier weniger eine unmittelbare Richtungsentscheidung als vielmehr Hinweise darauf, wie groß die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Notenbank tatsächlich sind. Gerade vor dem Hintergrund der zuletzt schwächeren Arbeitsmarktdaten dürfte der Markt genau darauf achten, wie stark die Mitglieder des FOMC die Konjunkturrisiken gewichten.
Sollte das Protokoll weiterhin einen klar restriktiven Ton erkennen lassen, könnten US-Dollar und Anleiherenditen wieder stärker steigen. Das wäre aus meiner Sicht insbesondere für Nasdaq und andere zinssensitive Wachstumswerte problematisch. Zeigt sich dagegen eine zunehmende Sorge über die konjunkturelle Entwicklung, könnte die Hoffnung auf spätere Zinssenkungen wieder stärker in den Vordergrund rücken.
Auch Europa liefert wichtige Impulse. Am Mittwoch stehen die finalen Inflationsdaten für die Eurozone auf der Agenda. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung der Energiepreise ein wichtiger Unsicherheitsfaktor. Für mich wird deshalb interessant sein, ob sich die zuletzt bessere Entwicklung der europäischen Aktienmärkte trotz möglicher Belastungen durch höhere Energiepreise fortsetzen kann.
Am Freitag folgen schließlich die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland und den USA.
Diese Daten gehören für mich zu den interessanteren Konjunkturindikatoren der kommenden Woche, weil sie relativ früh einen Eindruck davon vermitteln, wie sich Industrie und Dienstleistungen entwickeln.
Gerade die US-PMIs könnten Hinweise darauf geben, ob die zuletzt schwächeren Arbeitsmarkt- und Konsumdaten tatsächlich den Beginn einer größeren wirtschaftlichen Abkühlung darstellen oder lediglich eine vorübergehende Abschwächung.

Wikifolio
Für meine Wikifolios war die vergangene Woche vor allem von Konstanz geprägt.
Es gab in keinem der vier Wikifolios Positionsänderungen.
Das ist für mich durchaus wichtig, denn ein regelbasiertes Handelssystem muss nicht jede Woche handeln.
Wenn die Trends intakt sind und keine eindeutigen Verkaufssignale entstehen, sehe ich keinen Grund, künstlich Aktivität zu erzeugen.
Beim Dividenden-Adler liegt die Investitionsquote aktuell bei 75 %.
Damit habe ich die Investitionsquote bewusst unter die Marke von 80 % reduziert.
Der Grund dafür ist nicht, dass ich aktuell eine ausgeprägte Schwäche bei Dividenden- und Value-Aktien sehe.
Im Gegenteil: Gerade europäische Value-Aktien und Banken haben sich zuletzt sehr stark entwickelt. Auch die erste Augusthälfte verlief insgesamt positiv.
Die Reduzierung ist vielmehr eine bewusste saisonale Maßnahme. August und September gehören historisch zu den schwierigeren Börsenmonaten. Besonders in US-Midterm-Jahren kann es in dieser Phase zu stärkeren Korrekturen kommen. Technisch ist diese Schwäche aktuell noch nicht erkennbar.
Wenn ich ausschließlich auf die Charts schauen würde, hätte ich die Investitionsquote wahrscheinlich nicht reduziert.
Trotzdem halte ich an der defensiveren Positionierung fest, weil mir das Verhältnis zwischen möglichen Chancen und vorhandenen Störfaktoren derzeit nicht attraktiv genug erscheint, um wieder deutlich über 80 % zu investieren.
Auch beim German Alpha Leaders habe ich die Investitionsquote auf 74 % reduziert.
In der vergangenen Woche gab es keine Käufe und keine Verkäufe. Auch hier gilt: Die deutschen Aktienmärkte präsentieren sich technisch weiterhin robust
Der DAX bewegt sich nahe seiner Rekordstände und zeigt trotz der saisonal schwierigen Phase bisher keine ausgeprägte Schwäche.
Genau deshalb ist die aktuelle Investitionsquote für mich eine interessante Situation.
Ich reduziere das Risiko, obwohl mein Handelssystem noch keinen eindeutigen Abwärtstrend signalisiert.
Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, ist für mich aber Teil eines konsequenten Risikomanagements.
Ich möchte nicht erst dann reagieren, wenn eine größere Korrektur bereits begonnen hat.
Die saisonalen Risiken sowie mögliche Veränderungen bei Anleiherenditen, Geldpolitik und Konjunktur rechtfertigen für mich aktuell eine etwas vorsichtigere Haltung.
Beim Deutsche Nebenwerte Safari bleibt die Investitionsquote mit 76 % ebenfalls unterhalb der 80-%-Marke.
Auch hier gab es in der vergangenen Woche keine Positionsänderungen.
Die deutschen Nebenwerte haben sich zuletzt zwar stabilisiert, gleichzeitig sehe ich in diesem Segment weiterhin größere Unterschiede zwischen einzelnen Aktien. Genau deshalb halte ich eine hohe Selektivität für besonders wichtig.
Der Nebenwerte-Markt kann in einer Korrektur deutlich stärker reagieren als große Standardwerte.
Gleichzeitig können sich hier aber auch besonders interessante Chancen ergeben, wenn einzelne Aktien nach stärkeren Rücksetzern wieder relative Stärke entwickeln.
Ich möchte deshalb weiterhin investiert bleiben, aber nicht jedes Risiko eingehen. Die aktuelle Investitionsquote von 76 % halte ich vor diesem Hintergrund für einen guten Kompromiss.
Auch im Global Alpha Leaders gab es in der vergangenen Woche keine Transaktionen.
Die Investitionsquote liegt aktuell bei 77 %.
Damit ist auch dieses Wikifolio bewusst defensiver positioniert.
Gerade im internationalen Aktienmarkt sehe ich weiterhin einen starken Einfluss der US-Technologiewerte.
Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Wochen gesehen, dass selbst sehr starke KI- und Technologietitel deutlich stärker schwanken können, sobald sich die Erwartungen an Zinsen, Bewertungen oder zukünftige Gewinne verändern.
Für mich ist deshalb entscheidend, nicht nur auf die absolute Kursentwicklung zu schauen, sondern auf die relative Stärke.
Mein systematischer Momentum-Ansatz soll genau dort ansetzen.
Wenn eine Aktie ihren Aufwärtstrend verliert und andere Titel gleichzeitig an relativer Stärke gewinnen, wird umgeschichtet.
Solange diese Signale nicht auftreten, bleibt eine Position bestehen.
Ich halte diesen Ansatz gerade in einem Marktumfeld mit hohen Bewertungen und gleichzeitig starken langfristigen Trends für besonders wichtig.
Insgesamt bin ich mit der Entwicklung der vier Wikifolios und der aktuellen Positionierung zufrieden.
Die Investitionsquoten liegen zwischen 74 % und 77 % und damit bewusst unterhalb der 80-%-Marke. Gleichzeitig sind die Portfolios weiterhin ausreichend investiert, um von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends profitieren zu können.
Ich sehe aktuell keinen Grund, aggressiver zu werden.
Die erste Augusthälfte hat gezeigt, dass meine vorsichtigere Positionierung bisher nicht notwendig gewesen wäre.
Die Märkte sind stärker geblieben, als ich erwartet hätte, und die technischen Signale sind weiterhin positiv.
Trotzdem halte ich an meiner Strategie fest. Für mich bedeutet Risikomanagement nicht, immer recht zu haben, sondern dafür zu sorgen, dass eine falsche Einschätzung nicht zu einem großen Verlust führt.
Ich erwarte deshalb für die kommenden Wochen eine zunehmend selektive Börse.
Solange die europäischen Indizes technisch stark bleiben, werde ich die bestehenden Positionen nicht unnötig reduzieren. Gleichzeitig möchte ich die Investitionsquoten im August und September nicht wieder deutlich erhöhen.
Erst wenn sich die saisonalen Risiken abschwächen oder meine Handelssysteme klare neue Kaufsignale liefern, sehe ich einen Grund, die Quoten wieder nach oben zu fahren.
Die kommende Börsenwoche könnte dafür wichtige Hinweise liefern.
Das FOMC-Protokoll am Mittwoch, die Inflationsdaten aus Europa und die Einkaufsmanagerindizes am Freitag stehen dabei für mich im Mittelpunkt. Besonders interessant wird die Reaktion der Märkte sein: Nicht die Daten allein sind entscheidend, sondern wie Aktien, Anleiherenditen, US-Dollar und Nasdaq darauf reagieren.
Mein Fazit fällt deshalb bewusst zweigeteilt aus:
Die Börsen sind technisch stark, aber das Umfeld ist nicht frei von Risiken.
Ich bleibe mittelfristig konstruktiv, möchte aber gerade jetzt nicht zu viel Risiko eingehen.
Die Kombination aus saisonaler Schwächephase, möglichen Veränderungen bei der Geldpolitik, steigenden Anleiherenditen und geopolitischen Unsicherheiten spricht für mich weiterhin für eine Investitionsquote von maximal rund 80 %.
Ich bleibe deshalb konsequent bei meinem regelbasierten Momentum-Ansatz. Noch gibt es keine klaren technischen Verkaufssignale – aber ich muss auch nicht auf das erste Warnsignal warten, bevor ich das Risiko etwas reduziere. Für mich ist genau diese Kombination aus Trendfolge, Disziplin und aktivem Risikomanagement der entscheidende Faktor, um auch durch schwierigere Börsenphasen zu kommen.
Ich wünsche allen eine erfolgreiche Handelswoche.

👉 Alle Portfolioveränderungen sowie die aktuellen Positionierungen findest du direkt auf www.wikifolio.com*



*Affiliate-Link/Werbung
Bei den mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links handelt es sich um Werbe- oder Affiliate-Links. Wenn du dich über diesen Link anmeldet oder ein Angebot nutzt, erhalte ich eine Provision. Für dich entstehen keine Kosten. Damit unterstützt du meinen Blog und meine Arbeit. Vielen Dank für deine Unterstützung!

Sehr guter Beitrag, Philipp. Gerade den beschriebenen Zielkonflikt finde ich aktuell spannend: Die Märkte zeigen weiterhin Stärke, während gleichzeitig immer mehr konjunkturelle Bremsspuren sichtbar werden. Genau diese Mischung macht die Lage momentan schwer einzuschätzen.
Deshalb finde ich es auch genau richtig, wie du es mit deinen Wikifolios machst und aktuell etwas vorsichtiger agierst. Man muss nicht bearish sein, solange der Aufwärtstrend intakt ist, aber man muss bei den bestehenden Risiken auch nicht unnötig ins volle Risiko gehen.
Ich bin gespannt, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden. Gerade das Zusammenspiel aus Konjunktur, Inflation und der weiteren Ausrichtung der Fed dürfte interessant werden. Danke für deinen wieder einmal sehr interessanten Überblick!