
Ölpreis und Nahost-Hoffnungen
Die vergangene Börsenwoche hat erneut gezeigt, wie stark die Aktienmärkte aktuell auf Veränderungen beim Ölpreis und bei den Anleiherenditen reagieren.
Nachdem die hohen Energiepreise zuletzt erheblichen Druck auf die Märkte ausgeübt hatten, sorgten neue Signale für mögliche Gespräche im Nahost-Konflikt zum Ende der Woche für eine spürbare Entspannung.
Gleichzeitig konnten sich die Aktienmärkte etwas stabilisieren: Der DAX beendete die Woche mit einem Plus von rund 0,4 Prozent bei 25.408 Punkten, während der Nasdaq 100 auf Wochensicht mehr als drei Prozent zulegte.
Für mich bleibt das Marktumfeld trotzdem anspruchsvoll, denn ein kurzfristig fallender Ölpreis löst die grundlegenden Probleme bei Inflation, Zinsen und Konjunktur noch nicht.
Ich denke, dass wir weiterhin einen Markt sehen werden, in dem einzelne Branchen und Aktien sehr unterschiedlich laufen.
Genau diese Differenzierung ist für meine Handelssysteme besonders wichtig. Während ich bei einigen Bereichen weiterhin vorsichtig bin, sehe ich insbesondere bei ausgewählten Technologie- und Halbleiteraktien wieder deutlich bessere technische Signale.

Rückblick auf die Börsenwoche
Nach den schwächeren vergangenen Wochen konnte der DAX in dieser Woche wieder etwas Boden gutmachen.
Am Freitag sorgten sinkende Ölpreise und neue Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahost-Konflikt für Unterstützung. Der DAX gewann am Freitag 0,56 Prozent und beendete damit gleichzeitig eine Serie von drei Wochenverlusten. Auf Wochensicht blieb allerdings lediglich ein Plus von rund 0,4 Prozent.
Auch an der Wall Street war zum Wochenschluss eine Erholung zu sehen. Der Dow Jones legte am Freitag 0,93 Prozent zu, der S&P 500 gewann 0,51 Prozent und der Nasdaq 100 stieg um 0,42 Prozent. Besonders interessant finde ich allerdings die Entwicklung über die gesamte Woche: Der Nasdaq 100 konnte auf Wochensicht mehr als drei Prozent zulegen
Der entscheidende Faktor war erneut der Ölpreis. Berichte über einen möglichen neuen Verhandlungsvorschlag des Iran und eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus sorgten für fallende Ölpreise und damit unmittelbar für eine bessere Stimmung an den Aktienmärkten. Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige politische Lösung entsteht, ist allerdings weiterhin offen.
Für mich ist genau das der entscheidende Punkt: Die Börse handelt momentan sehr stark auf kurzfristige Nachrichten.
Eine Meldung über eine mögliche Entspannung sorgt für fallende Ölpreise und steigende Aktienkurse, während neue negative Nachrichten das Bild jederzeit wieder drehen können. Ich erwarte deshalb auch in den kommenden Wochen eine relativ hohe Schwankungsintensität.
Auf Unternehmensseite stand vor allem Evonik im Mittelpunkt. BASF bestätigte, dass der Konzern eine unverbindliche Ansprache hinsichtlich eines möglichen freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots für sämtliche Evonik-Aktien vorgenommen hat. Gespräche über eine konkrete Transaktion fanden laut den vorliegenden Angaben allerdings noch nicht statt. Die Evonik-Aktie reagierte mit einem deutlichen Kurssprung und legte am Freitag rund sieben Prozent zu, während BASF knapp vier Prozent verlor.
Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich eine einzelne Nachricht auf eine Aktie auswirken kann. Genau deshalb möchte ich mich bei meinen Wikifolios nicht auf einzelne Unternehmensgeschichten verlassen. Entscheidend ist für mich, ob sich nach einer solchen Nachricht tatsächlich ein nachhaltiger Trend entwickelt.

Was die Märkte aktuell bewegt
Ich denke, dass wir aktuell an einem interessanten Wendepunkt stehen. Einerseits bleiben Ölpreis, Inflation, Zinsen und Anleiherenditen die großen Belastungsfaktoren. Andererseits zeigen einige Marktsegmente bereits wieder eine deutlich bessere Dynamik. Für mich ist insbesondere die Entwicklung bei Technologie- und Halbleiteraktien interessant.
Das ist genau die Art von Marktphase, in der mein Ansatz seine Stärke ausspielen soll. Ich versuche nicht vorherzusagen, wann der Ölpreis fällt, wann sich der Nahost-Konflikt entspannt oder wann die Notenbanken ihre Geldpolitik ändern. Stattdessen beobachte ich, welche Aktien tatsächlich relative Stärke entwickeln.
Gerade bei Halbleiteraktien sehe ich momentan wieder mehrere interessante Signale.
Micron Technology steht beispielsweise in der kommenden Woche ohnehin besonders im Fokus, da der Konzern seine Quartalszahlen veröffentlicht. Auch Intel, AMD und Marvell Technology zeigen aus meiner Sicht eine Entwicklung, die man beobachten sollte. Dass gerade diese Technologiewerte wieder stärker nachgefragt werden, passt zu der positiven Entwicklung des Nasdaq 100 in der vergangenen Woche.
Ich erwarte allerdings nicht, dass jetzt automatisch der gesamte Technologiesektor nach oben läuft. Für mich bleibt die Auswahl einzelner Aktien entscheidend. Eine Branche kann sich verbessern, während einzelne Unternehmen weiterhin schwach bleiben. Genau diese Unterschiede möchte ich mit meinen Handelssystemen nutzen.
Gleichzeitig sehe ich bei klassischen konjunktursensiblen Bereichen weiterhin einige Fragezeichen. Hohe Energiepreise belasten Unternehmen und Konsumenten, während höhere Anleiherenditen die Finanzierung verteuern. Marktbeobachter verweisen deshalb weiterhin auf das Risiko einer Kombination aus höherer Inflation und schwächerem Wachstum
Aus meiner Sicht bedeutet das vor allem eines: Ich möchte aktuell nicht unnötig aggressiv werden. Wenn sich die Marktbedingungen verbessern, können meine Systeme die Investitionsquoten Schritt für Schritt erhöhen. Wenn sich die Signale wieder verschlechtern, wird entsprechend reduziert. Für mich ist das wesentlich sinnvoller, als heute bereits eine bestimmte Marktentwicklung vorwegzunehmen.

Ausblick auf die kommende Woche
In der kommenden Woche dürfte der Fokus weiterhin auf Ölpreis, Anleiherenditen und den Entwicklungen im Nahost-Konflikt liegen. Ich denke, dass insbesondere die Reaktion des Ölpreises auf neue Nachrichten entscheidend sein wird. Sollte es tatsächlich zu Fortschritten bei den Gesprächen kommen und der Ölpreis weiter nachgeben, könnte das den Aktienmärkten zusätzlichen Rückenwind geben. Gleichzeitig bleibt das Risiko bestehen, dass neue Nachrichten die zuletzt aufgekommene Entspannung wieder zunichtemachen.
Daneben beginnt die Berichtssaison langsam wieder wichtiger zu werden. Besonders interessant finde ich die Zahlen von Micron Technology, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden sollen. Auch Nike steht mit Quartalszahlen im Fokus. Zusätzlich werden neue Einkaufsmanagerdaten aus Europa, den USA und Asien veröffentlicht.
Ich werde deshalb vor allem darauf achten, ob die derzeitige Stärke bei Technologie- und Halbleiteraktien bestätigt wird. Für mich wäre es ein wichtiges Signal, wenn sich die relative Stärke dieser Aktien weiter ausbreitet und nicht nur auf wenige Einzeltitel beschränkt bleibt.
Beim DAX bleibe ich dagegen zunächst vorsichtig. Zwar konnte der Index die vergangene Woche positiv beenden, gleichzeitig bleiben Ölpreis und Renditen wichtige Unsicherheitsfaktoren. Ich denke daher, dass es weiterhin wichtiger ist, die einzelnen Aktien zu betrachten, anstatt nur auf die Entwicklung des Gesamtmarktes zu schauen.

Wikifolio
Der strategische Teil meiner Wikifolios ist für mich aktuell besonders interessant, weil sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Marktsegmenten immer deutlicher zeigen. Meine vier Wikifolios reagieren nicht auf einzelne Schlagzeilen, sondern auf die tatsächliche Entwicklung der Aktien. Gerade in einem nervösen Markt halte ich diesen Ansatz für wichtig: Entscheidend ist für mich nicht die Nachricht selbst, sondern wie der Markt darauf reagiert.
Beim Dividenden-Adler wurde die Investitionsquote zuletzt deutlich reduziert. Nach den Verkäufen von Société Générale und Generali gab es in der vergangenen Woche keine neuen Käufe. Besonders positiv entwickelte sich Evonik, nachdem BASF Interesse an einer möglichen Übernahme bestätigt hatte. Die Aktie legte daraufhin deutlich zu. Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie stark einzelne Nachrichten kurzfristig wirken können. Entscheidend bleibt aber, ob sich daraus ein nachhaltiger Trend entwickelt.
Beim German Alpha Leaders und beim Deutsche Nebenwerte Safari gab es in der vergangenen Woche keine Veränderungen. Das ist für mich kein Zeichen von Untätigkeit, sondern zeigt die Disziplin meines Systems. Wenn die bestehenden Positionen weiterhin die notwendigen technischen Kriterien erfüllen, besteht für mich kein Grund, nur aufgrund eines unruhigen Marktumfelds aktiv zu werden.
Besonders interessant war erneut das Global Alpha Leaders. Das Wikifolio konnte auf Wochensicht rund 2,5 Prozent zulegen. Positive Impulse kamen unter anderem von Moderna sowie den Halbleiteraktien Micron Technology, Marvell Technology, AMD und Intel. Gerade die Entwicklung der Halbleiterwerte beobachte ich aktuell sehr genau. Ich denke, dass hier wieder zunehmend Momentum entsteht und sich möglicherweise ein neuer Trend entwickelt.
Über alle vier Wikifolios hinweg bewegen sich die Investitionsquoten derzeit im Bereich von etwa 70 bis 80 Prozent. Diese Größenordnung möchte ich auch in der kommenden Woche beibehalten. Ich sehe aktuell keinen Grund, deutlich defensiver zu werden, möchte die Investitionsquote aber auch nicht erhöhen, solange Ölpreis, Zinsen und geopolitische Risiken für Unsicherheit sorgen.
Für mich bleibt deshalb entscheidend, welche Aktien tatsächlich relative Stärke zeigen. Ich möchte nicht vorhersagen, welche Branche als Nächstes gewinnt. Ich möchte erkennen, wenn eine Branche tatsächlich beginnt, Stärke zu entwickeln. Genau diese Signale liefern mir derzeit vor allem die Technologie- und Halbleiteraktien.
Ich wünsche allen eine erfolgreiche Handelswoche.

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Danke Philipp für den ausführlichen Wochenrückblick.
Ich sehe die aktuelle Situation ähnlich wie du. Solange der Krieg mit dem Iran weitergeht, dürfte eine nachhaltige Erholung der Märkte schwierig bleiben. Die Reaktion auf die Nachrichten rund um Öl und die Straße von Hormus zeigt ja, wie stark der Markt momentan von der geopolitischen Lage abhängig ist.
Interessant finde ich deshalb vor allem, ob die Stärke bei den Tech und Halbleiterwerten auch dann bestehen bleibt, wenn die Nachrichtenlage wieder schlechter wird. Genau da wird sich meiner Meinung nach zeigen, wie belastbar die aktuelle Bewegung wirklich ist.