
Starke Chips, schwache Banken: Die Börse wird selektiver
Die vergangene Börsenwoche hat erneut gezeigt, wie unterschiedlich sich die einzelnen Marktsegmente aktuell entwickeln.
Während der DAX auf Wochensicht rund 0,7 Prozent verlor und der MDAX sogar 1,87 Prozent nachgab, konnte der Nasdaq 100 trotz der bestehenden Zins- und Ölpreisrisiken ein neues Rekordhoch erreichen.
Für mich ist diese Entwicklung besonders interessant, denn sie zeigt, dass wir keineswegs einen gleichmäßig schwachen Aktienmarkt sehen. Ich denke vielmehr, dass sich die Unterschiede zwischen schwachen und starken Aktien weiter vergrößern.
Auf der einen Seite stehen Unternehmen wie Nike mit schwachen Geschäftsaussichten, auf der anderen Seite sehen wir bei Halbleiteraktien zunehmend starkes Momentum.
Besonders Micron Technology, Nvidia und verschiedene europäische Chipwerte haben zuletzt deutliche Stärke gezeigt.
Ich erwarte deshalb, dass die Auswahl der einzelnen Aktien in den kommenden Wochen noch wichtiger wird als die Entwicklung der großen Indizes.

Rückblick auf die Börsenwoche
Der deutsche Aktienmarkt hatte zunächst eine schwierige Woche. Der DAX fiel am Donnerstag zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten und testete damit auch die wichtige 200-Tage-Linie. Zum Wochenschluss konnte sich der Index allerdings deutlich erholen und schloss am Freitag 1,17 Prozent höher bei 25.231 Punkten. Auf Wochensicht blieb dennoch ein Minus von rund 0,7 Prozent. Noch schwächer präsentierte sich der MDAX mit einem Wochenverlust von 1,87 Prozent
Auch der EuroStoxx 50 konnte sich am Freitag deutlich erholen, beendete die Woche aber mit einem Minus von 1,02 Prozent. Für mich war dabei vor allem die Entwicklung des Ölpreises wichtig. Sinkende Ölpreise sorgten zum Wochenschluss für eine Entspannung bei den Inflations- und Zinssorgen. Gleichzeitig stabilisierten sich die Anleiherenditen. Ölpreis und Renditen bleiben damit aus meiner Sicht weiterhin die beiden wichtigsten Einflussfaktoren für die Aktienmärkte.
Ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht sorgte am Freitag zusätzlich für Bewegung. Im September wurden in den USA lediglich 29.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, während die Arbeitslosenquote auf 4,2 Prozent stieg. Die schwächeren Arbeitsmarktdaten wurden an der Börse zunächst positiv aufgenommen, weil dadurch die Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen etwas zurückgingen.
Deutlich besser lief es in den USA. Der Nasdaq 100 erreichte ein neues Rekordhoch und profitierte vor allem von der Stärke der Technologiewerte. Nvidia markierte ebenfalls einen neuen Höchststand und nähert sich inzwischen einer Marktkapitalisierung von sechs Billionen US-Dollar.
Besonders wichtig war für mich aber die Entwicklung bei den Halbleiteraktien. In Europa legten Infineon am Freitag um 8,8 Prozent zu. Auch Aixtron, Siltronic, Süss MicroTec und Jenoptik konnten deutlich zulegen. Der europäische Technologiesektor erreichte damit zwischenzeitlich den höchsten Stand seit dem Jahr 2000.
Gleichzeitig gab es auch deutliche negative Unternehmensnachrichten. Nike enttäuschte mit dem Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr und kündigte weitere Einsparungen von rund 2,5 Milliarden US-Dollar an. Die Aktie verlor daraufhin deutlich. Für mich ist Nike ein gutes Beispiel dafür, warum ich bei meinen Wikifolios nicht einfach jede große oder bekannte Aktie berücksichtige. Wenn Trend und Momentum nicht stimmen, spielt eine Aktie in meinen Handelssystemen keine Rolle.

Was die Märkte aktuell bewegt
Für mich ist das aktuelle Marktumfeld zweigeteilt. Einerseits bleiben Ölpreis und Anleiherenditen die großen Unsicherheitsfaktoren. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt weiterhin oberhalb der Marke von fünf Prozent, was für die Bewertung von Aktien eine wichtige Größe ist. Gleichzeitig hat sich der Nasdaq 100 davon bisher relativ wenig beeindrucken lassen.
Ich denke, dass genau hier aktuell der entscheidende Punkt liegt: Der Gesamtmarkt ist nicht unbedingt schwach – aber er ist sehr selektiv. Anleger trennen stärker zwischen Unternehmen, bei denen die Erwartungen und Trends intakt sind, und Unternehmen, bei denen sich die Aussichten verschlechtern.
Das zeigt sich für mich besonders deutlich bei Halbleiteraktien. Micron Technology hat in dieser Woche hervorragende Quartalszahlen vorgelegt. Das Unternehmen meldete für das vierte Quartal 2026 einen Umsatz von 54,23 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 37,70 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig erwartet Micron ein noch stärkeres Geschäftsjahr 2027.
Für mich ist das ein wichtiges Signal für den gesamten Halbleitersektor. Die Nachfrage nach Speicherchips wird weiterhin stark durch den Ausbau von KI-Infrastruktur getrieben. Micron berichtet zudem von deutlich steigenden langfristigen Kundenverpflichtungen.
Auch Nvidia liefert aktuell ein starkes Bild. Die Aktie erreichte ein neues Rekordhoch und der Nasdaq 100 folgte dieser Entwicklung. Nvidia kündigte zudem eine Erweiterung des Aktienrückkaufprogramms um 150 Milliarden US-Dollar an.
Ich beobachte deshalb aktuell sehr genau Aktien wie Micron Technology, Marvell Technology, Intel und AMD. Auch bei deutschen und europäischen Halbleiterwerten sehe ich wieder deutlich mehr Momentum. Infineon, Aixtron, Siltronic und Jenoptik gehören für mich zu den Aktien, bei denen sich die technische Entwicklung zuletzt klar verbessert hat. Besonders interessant finde ich, dass diese Stärke nicht nur auf einen einzelnen Titel beschränkt ist.
Genau solche Entwicklungen möchte ich mit meinen Handelssystemen erkennen. Ich möchte nicht vorhersagen, dass Halbleiteraktien steigen werden. Entscheidend ist für mich, dass diese Aktien bereits Stärke zeigen. Wenn sich diese Stärke bestätigt und auf weitere Titel ausbreitet, ist das für mich wesentlich aussagekräftiger als eine einzelne Analystenmeinung.
Auf der anderen Seite zeigen Unternehmen wie Nike, dass schwache Trends weiterhin konsequent gemieden werden sollten. Die Nike-Aktie hat im laufenden Jahr bereits erheblich verloren und reagierte erneut negativ auf den schwachen Ausblick. Für meine Strategie ist das kein Unternehmen, das ich aufgrund seines bekannten Namens berücksichtigen müsste.
Ich denke deshalb, dass die kommenden Wochen weniger von der Frage geprägt sein werden, ob „die Börse“ steigt oder fällt. Viel wichtiger wird sein, welche Aktien Stärke zeigen und welche Aktien weiter zurückfallen.

Ausblick auf die kommende Woche
In der kommenden Woche bleiben für mich zunächst Ölpreis und Anleiherenditen die wichtigsten Faktoren. Sollte der Ölpreis weiter nachgeben und gleichzeitig die Renditen stabil bleiben oder zurückgehen, könnte dies den Aktienmärkten zusätzlichen Rückenwind geben. Umgekehrt würden steigende Ölpreise und erneut anziehende Renditen das Umfeld wieder deutlich schwieriger machen.
Beim DAX bleibt für mich die Marke von 25.000 Punkten wichtig. Nach dem kurzen Rutsch unter diese Marke konnte sich der Index zwar deutlich erholen, auf Wochensicht bleibt das Bild aber angeschlagen. Ich erwarte deshalb beim DAX weiterhin eine eher volatile Entwicklung.
Viel interessanter finde ich momentan die Entwicklung des Technologiesektors. Hier hat sich das Bild zuletzt deutlich verbessert. Der Nasdaq 100 notiert auf Rekordniveau und auch die europäischen Halbleiteraktien zeigen zunehmende Stärke.
In der kommenden Woche stehen zudem weitere wichtige Termine aus dem Technologiesektor an. Bei Marvell Technology findet eine Anlegerveranstaltung statt, außerdem veröffentlicht TSMC Umsatzzahlen für die ersten neun Monate. Gerade bei Marvell und TSMC werde ich deshalb genau beobachten, ob der aktuelle Trend im Halbleiterbereich bestätigt wird.
Ich erwarte insgesamt weiterhin einen Markt mit hoher Differenzierung. Ich werde deshalb nicht versuchen, jede kurzfristige Bewegung zu handeln. Für mich bleibt entscheidend, dass meine Handelssysteme auf tatsächliche Stärke reagieren und schwache Trends konsequent meiden.

Wikifolio
Bei meinen vier Wikifolios zeigt sich diese unterschiedliche Marktentwicklung inzwischen sehr deutlich. Die vergangene Woche war für die meisten meiner Wikifolios zwar nicht positiv, aber genau deshalb ist für mich der Blick auf die relative Stärke wichtig.
Das Deutsche Nebenwerte Safari konnte sich dabei besonders gut behaupten. Während der MDAX auf Wochensicht 1,87 Prozent verlor und der DAX 0,70 Prozent abgab, konnte das Wikifolio 0,81 Prozent zulegen. Damit zeigt sich erneut, dass die Aktienauswahl entscheidender sein kann als die allgemeine Entwicklung des deutschen Aktienmarktes.
Besonders positiv entwickelten sich dabei die Halbleiterwerte. Aixtron, Süss MicroTec, Jenoptik und Siltronic konnten auf Wochensicht deutliche Kursgewinne verzeichnen. Genau diese Entwicklung bestätigt für mich aktuell die Signale meiner Handelssysteme.
Ich denke, dass der Halbleitersektor auch in den kommenden Tagen interessant bleiben wird. Die Kombination aus starken Quartalszahlen von Micron, neuen Höchstkursen bei Nvidia und zunehmendem Momentum bei europäischen Chipwerten ist für mich ein Signal, das ich sehr genau beobachte.
Beim German Alpha Leaders gab es in der vergangenen Woche keine Veränderungen. Auch wenn das Wikifolio auf Wochensicht 0,56 Prozent verlor, sehe ich keinen Grund, allein aufgrund dieser Wochenbewegung aktiv zu werden. Mein System reagiert nicht auf einzelne schwache Tage, sondern auf Veränderungen bei Trend und relativer Stärke.
Das gilt auch für das Global Alpha Leaders. Hier lag die Wochenperformance bei minus 0,95 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung seit Jahresbeginn mit +16,14 Prozent sehr positiv. Für mich ist deshalb entscheidend, die längerfristige Entwicklung und die aktuellen technischen Signale gemeinsam zu betrachten, anstatt eine einzelne schwache Woche überzubewerten.
Beim Dividenden-Adler habe ich dagegen bewusst stärker reagiert. Die Investitionsquote wurde in der vergangenen Woche deutlich auf 60 Prozent reduziert. Der Grund dafür ist die derzeit sehr hohe Gewichtung von Bankaktien. Der Bankensektor macht für mich momentan kein gutes Bild.
Ich möchte deshalb in der kommenden Woche die Positionen bei den Banken weiter reduzieren. Das ist für mich eine wichtige strategische Anpassung. Wenn ein gesamter Sektor technisch schwächer wird, möchte ich nicht zu lange an einer hohen Gewichtung festhalten, nur weil die einzelnen Unternehmen grundsätzlich interessant erscheinen.
Gerade beim Dividenden-Adler zeigt sich damit ein wichtiger Unterschied zu meinen anderen Wikifolios. Hier geht es nicht darum, dauerhaft eine bestimmte Investitionsquote zu halten. Wenn sich die Signale verschlechtern, kann die Quote deutlich reduziert werden. Aktuell halte ich das aufgrund der Schwäche im Bankensektor für sinnvoll.
Über die anderen Wikifolios hinweg bewegen sich die Investitionsquoten derzeit grundsätzlich im Bereich von 70 bis 80 Prozent. Diese Größenordnung möchte ich in der kommenden Woche zunächst beibehalten. Beim Dividenden-Adler bleibt die Quote aufgrund des weiteren Abbaus der Bankpositionen bewusst die Ausnahme.
Für mich ergibt sich daraus momentan ein ziemlich klares Bild: Ich möchte nicht pauschal defensiver werden, aber ich möchte auch nicht einfach die Investitionsquote erhöhen. Stattdessen soll das Kapital dort investiert bleiben, wo die technischen Signale stimmen.
Besonders interessant finde ich dabei den Gegensatz zwischen Banken und Halbleitern. Während ich bei Banken aktuell zunehmend Schwäche sehe und deshalb Positionen abbauen möchte, entwickelt sich bei Halbleiteraktien genau das Gegenteil. Hier entstehen neue Hochs, starke Quartalszahlen und zunehmendes Momentum.
Das ist für mich genau die Art von Marktphase, in der mein Ansatz funktionieren soll. Schwache Aktien werden reduziert oder gemieden, während sich bei starken Aktien neue Chancen ergeben können. Ich muss dafür nicht wissen, wie sich der Ölpreis in zwei Wochen entwickelt oder ob die Anleiherenditen steigen oder fallen.
Ich denke, dass die kommenden Wochen deshalb vor allem eine Frage der richtigen Aktienauswahl werden. Der Gesamtmarkt liefert derzeit kein einheitliches Signal, aber einzelne Bereiche zeigen sehr deutlich Stärke.
Für mich bleibt daher die wichtigste Erkenntnis aus dieser Börsenwoche: Ich möchte nicht vorhersagen, welche Branche als Nächstes gewinnt. Ich möchte erkennen, wenn eine Branche tatsächlich beginnt, Stärke zu entwickeln. Genau dieses Signal sehe ich aktuell wieder verstärkt bei Chip- und Halbleiteraktien.
Gleichzeitig werde ich beim Dividenden-Adler die Bankpositionen weiter reduzieren. Bei den übrigen Wikifolios sehe ich aktuell keinen Anlass für größere Veränderungen. Die Investitionsquoten sollen grundsätzlich im Bereich von rund 70 bis 80 Prozent bleiben.
Damit bleibe ich auch in der kommenden Woche meinem bisherigen Ansatz treu: Stärke laufen lassen, Schwäche reduzieren und nicht versuchen, den Markt vorherzusagen.
Ich wünsche allen eine erfolgreiche Handelswoche.

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Wieder einmal ein sehr interessanter Wochenkommentar, Philipp. Gerade die zunehmende Differenzierung im Markt finde ich aktuell spannend. Nicht der gesamte Markt läuft schwach oder stark. Entscheidend ist vielmehr, die richtigen Titel zu identifizieren.
Ich bin deshalb sehr froh, mit dem **Weekly Momentum Boost** gut aufgestellt zu sein. Genau dieser konsequente Fokus auf Stärke und Momentum entspricht auch meinem eigenen Ansatz. Schwache Trends konsequent meiden und dort dabei sein, wo sich Stärke zeigt, ist für mich aktuell der richtige Weg.
Gerade die Entwicklung bei den Halbleitern ist dabei wirklich interessant. Ich bin gespannt, ob sich das Momentum in den kommenden Wochen weiter bestätigt.
Danke für den wieder einmal sehr guten und fundierten Wochenüberblick!