
Tech-Aktien unter Druck: Warum mein Handelssystem jetzt gefordert ist
Die vergangene Börsenwoche war erneut von Verlusten geprägt. Steigende Ölpreise, Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich und Zweifel an den hohen Bewertungen von KI-Aktien belasteten die Märkte. Der DAX verlor 1,72 Prozent, der EuroStoxx 50 gab 2,19 Prozent nach. Auch die US-Börsen beendeten die Woche schwächer: Der S&P 500 verlor 0,47 Prozent, der Nasdaq 100 0,79 Prozent.
Für meine vier Wikifolios war es eine weitere schwierige Woche. Besonders die Technologie- und Halbleiterwerte standen unter Druck. Gleichzeitig habe ich in meinen beiden deutschen Strategien den Technologieanteil reduziert.
Für mich ist das eine wichtige Konsequenz aus der aktuellen Marktphase: Ein Trendfolgesystem kann starke Aufwärtsbewegungen gut nutzen, muss aber auch damit umgehen, wenn bisherige Marktführer an Momentum verlieren.

Rückblick auf die Börsenwoche
In Europa nahm der Verkaufsdruck im Wochenverlauf zu. Besonders am Donnerstag und Freitag gerieten die Aktienmärkte unter Druck. Der DAX verlor auf Wochensicht 1,72 Prozent, der MDAX sogar 2,55 Prozent. Der SDAX gab 0,50 Prozent nach. Der EuroStoxx 50 fiel um 2,19 Prozent und näherte sich damit der Marke von 6.000 Punkten.
Neben den hohen Energiepreisen sorgten schwache Konjunktursignale aus Frankreich für Verunsicherung. Die Stimmung in der Eurozone trübte sich im Oktober stärker als erwartet ein. In den USA blieb eine nachhaltige Erholung der Technologiewerte aus. Zweifel an den Bewertungen im KI-Sektor hielten an, während steigende Ölpreise zusätzlichen Druck auf die Märkte ausübten.
Es gab allerdings auch positive Unternehmensnachrichten. So legte SGL Carbon deutlich zu, nachdem das Unternehmen seine Prognose für den freien Barmittelzufluss angehoben hatte. Das zeigt, dass sich auch in einem schwachen Marktumfeld Chancen bei einzelnen Unternehmen ergeben können.

Was die Märkte aktuell bewegt
Aus meiner Sicht geht es derzeit um mehr als eine gewöhnliche Korrektur einzelner Aktien. Die Marktführerschaft der vergangenen Monate – insbesondere bei Halbleitern, Chips und KI-Werten – gerät zunehmend ins Wanken. Gleichzeitig profitieren andere Branchen zeitweise von einer Umschichtung der Anleger, etwa Energieunternehmen angesichts der steigenden Ölpreise.
Für Trendfolge- und Momentumsysteme ist das eine anspruchsvolle Situation. Einerseits soll eine Strategie starke Trends möglichst lange nutzen. Andererseits kann es passieren, dass Aktien erst dann verkauft werden, wenn ein Trend bereits deutlich an Schwung verloren hat. Wer zu früh aussteigt, verpasst möglicherweise weitere Kursgewinne; wer zu lange investiert bleibt, gibt einen Teil der zuvor erzielten Gewinne wieder ab.
Genau diesen Zielkonflikt sehe ich aktuell bei meinen Strategien. Ich möchte mein Handelssystem nicht aufgrund einer einzelnen schwachen Woche infrage stellen. Gleichzeitig halte ich es für sinnvoll, zu prüfen, ob sich der Ausstieg aus Aktien mit nachlassendem Momentum verbessern lässt. Ob eine solche Ergänzung einen messbaren Vorteil bringt, muss ich systematisch untersuchen und testen, bevor sie Bestandteil meiner Handelsregeln wird.

Ausblick auf die kommende Woche
In der kommenden Woche stehen vor allem die Zinsentscheidungen und die weitere Entwicklung der Inflation, der Ölpreise und der Unternehmensberichte im Fokus. Die Märkte werden außerdem darauf achten, ob sich die Stimmung im Technologiesektor stabilisiert oder die Korrektur weitergeht. Die Sorgen um die französischen Staatsfinanzen und die wirtschaftliche Entwicklung in Europa dürften ebenfalls relevant bleiben.
Ich erwarte weiterhin eine anspruchsvolle Marktphase, in der sich die relative Stärke einzelner Branchen schnell verändern kann. Entscheidend wird sein, ob die bisherigen Technologiefavoriten ihre Schwäche überwinden oder ob andere Aktiengruppen nachhaltiger an Stärke gewinnen.
Für meine Entscheidungen sind dabei die Signale meiner Handelssysteme maßgeblich. In den deutschen Strategien habe ich den Technologieanteil bereits reduziert. Bei der Deutschen Nebenwerte Safari plane ich zudem, die Investitionsquote in der kommenden Woche auf unter 75 Prozent zurückzufahren. Ob weitere Anpassungen notwendig werden, hängt von der weiteren Entwicklung und den entsprechenden Signalen ab.

Wikifolio
Die vergangene Woche war für alle vier Wikifolios negativ.
Besonders auffällig ist, dass die Schwäche bei Technologie- und Halbleiteraktien nun bereits mehrere Wochen anhält.
Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Portfolio, doch die grundsätzliche Herausforderung ist dieselbe: Wie lässt sich ein starker Trend möglichst lange nutzen, ohne bei einer Trendwende zu viel wieder abzugeben?
Das Dividenden-Adler wikifolio verlor in dieser Woche 0,68 Prozent und liegt seit Jahresbeginn 7,56 Prozent im Plus.
Mit einer Investitionsquote von 71 Prozent ist er aktuell vergleichsweise defensiv aufgestellt.
In der vergangenen Woche habe ich BASF gekauft und Rio Tinto verkauft.
Trotz des Wochenverlusts entwickelte sich das Wikifolio etwas besser als der EuroStoxx 50.
Auch über die vergangenen Wochen betrachtet zeigt sich der Dividenden-Adler innerhalb meiner vier Strategien am stabilsten.
Für mich unterstreicht das die Bedeutung einer unterschiedlichen Ausrichtung der Portfolios.
Während technologieorientierte Strategien stärker unter der aktuellen Korrektur leiden, kann ein anderes Aktienuniversum für eine gewisse Stabilisierung sorgen. Das bedeutet nicht, dass der Dividenden-Adler grundsätzlich vor Verlusten geschützt ist – die jüngste Entwicklung zeigt aber, dass die Diversifikation über unterschiedliche Aktien und Branchen in bestimmten Marktphasen hilfreich sein kann.
Das German Alpha Leaders wikifolio verlor 2,22 Prozent. Seit Jahresbeginn steht noch ein Plus von 1,16 Prozent zu Buche. Die Investitionsquote beträgt 70 Prozent.
Belastet wurde die Strategie weiterhin durch Technologieaktien wie Aixtron, Süss MicroTec und Infineon. Auf die anhaltende Schwäche habe ich reagiert und den Anteil an Technologieaktien in den vergangenen Tagen deutlich reduziert.
Diese Anpassung ist für mich eine wichtige Konsequenz aus den Signalen der Strategie. Es geht nicht darum, den Technologiesektor grundsätzlich abzuschreiben oder eine schnelle Erholung auszuschließen. Vielmehr muss die Gewichtung der Aktien die veränderte Marktlage berücksichtigen. Wenn bisherige Marktführer an Stärke verlieren, darf das im Portfolio nicht ignoriert werden.
Das Deutsche Nebenwerte Safari wikifolio entwickelte sich erneut schwach und verlor 1,93 Prozent.
Seit Jahresbeginn beträgt das Plus nur noch 0,48 Prozent. Die Investitionsquote liegt aktuell bei 82 Prozent.
Zu den Belastungsfaktoren gehörten Technologie- und Industriewerte wie Aixtron, Jenoptik, Süss MicroTec, 2G Energy und Siltronic. Auch in diesem Wikifolio habe ich den Technologieanteil in den vergangenen Tagen deutlich reduziert.
Für die kommende Woche plane ich, die Investitionsquote auf unter 75 Prozent zurückzufahren. Damit soll das Portfolio auf die aktuelle Situation reagieren, ohne dass ich eine kurzfristige Prognose über den Gesamtmarkt treffen muss.
Es gibt allerdings auch positive Entwicklungen im Nebenwertebereich. SGL Carbon konnte nach einer verbesserten Prognose für den freien Barmittelzufluss deutlich zulegen.
Die Aktie befindet sich ebenfalls im Portfolio der Deutschen Nebenwerte Safari. Solche Unternehmensmeldungen zeigen, dass schwache Marktphasen nicht alle Aktien gleichermaßen treffen. Für die Strategie bleibt jedoch entscheidend, wie sich die einzelnen Titel im Verhältnis zu den festgelegten Auswahlkriterien entwickeln.
Das Global Alpha Leaders wikifolio verlor 2,13 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Wikifolio weiterhin 10,71 Prozent im Plus. Die Investitionsquote beträgt 70 Prozent.
Wie bereits in der Vorwoche belasteten vor allem Halbleiterwerte die Entwicklung. Micron Technology, Marvell Technology und Intel verzeichneten erneut deutliche, teilweise zweistellige Kursverluste.
Im Unterschied zu den beiden deutschen Strategien wurden im Global Alpha Leaders bislang keine Technologiepositionen reduziert. Das liegt an der unterschiedlichen Entwicklung der Signale innerhalb der jeweiligen Systeme und Portfolios. Ich übertrage deshalb nicht automatisch jede Anpassung von einer Strategie auf die andere. Jede folgt ihren eigenen Regeln und Kriterien.
Die aktuelle Schwäche zeigt allerdings, wie wichtig es ist, die Funktionsweise eines Trendfolgesystems regelmäßig zu überprüfen. Besonders bei stark gelaufenen Aktien kann ein Momentumverlust dazu führen, dass ein Teil der zuvor erzielten Gewinne wieder abgegeben wird. Ob ich diesen Effekt durch eine zusätzliche Regel begrenzen kann, möchte ich nun genauer untersuchen.
Fazit: Trends nutzen, Schwächen begrenzen
Die abgelaufene Woche war eine weitere schwache Börsenwoche.
Besonders Technologie- und Halbleiteraktien standen unter Druck und belasteten meine Wikifolios.
In den beiden deutschen Strategien habe ich den Technologieanteil bereits reduziert.
Mein Handelssystem bleibt die Grundlage meiner Entscheidungen.
Gleichzeitig gehört es zu einem systematischen Ansatz, die Regeln kritisch zu prüfen und mögliche Verbesserungen anhand belastbarer Tests zu bewerten. Gerade der Umgang mit nachlassendem Momentum ist dabei ein wichtiger Ansatzpunkt: Trends sollen möglichst lange genutzt werden, ohne zu spät auf eine nachhaltige Schwäche zu reagieren.
Ich möchte deshalb nicht vorschnell neue Regeln einführen, sondern zunächst untersuchen, ob sich der Ausstieg aus schwächer werdenden Aktien objektiv verbessern lässt. Das Ziel bleibt, meine Strategien konsequent und nachvollziehbar umzusetzen und sie dort weiterzuentwickeln, wo sich ein tatsächlicher Vorteil nachweisen lässt.
Ich wünsche allen eine erfolgreiche Handelswoche.

Alle Portfolioveränderungen sowie die aktuellen Positionierungen findest du direkt auf www.wikifolio.com*


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Danke für den ausführlichen und transparenten Einblick in deine Strategien, Philipp. Gerade in solchen Marktphasen zeigt sich, wie wichtig ein konsequentes Regelwerk und ein disziplinierter Umgang mit dem eigenen Depot sind.
Ich persönlich bin aktuell eher vorsichtig und würde momentan keine neuen Investitionen tätigen. Selbst bei meinen ETFs überlege ich inzwischen, ob es sinnvoll sein könnte, einen Teil der aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen und zunächst abzuwarten. Die anhaltende Schwäche im Technologiesektor und die zunehmenden Unsicherheiten stimmen mich nachdenklich.
Natürlich weiß niemand, ob wir gerade eine gesunde Korrektur erleben oder ob noch größere Rücksetzer bevorstehen. Genau deshalb finde ich es spannend, wie du dein Handelssystem hinterfragst und mögliche Anpassungen erst einmal systematisch testen möchtest, statt vorschnell zu reagieren.
Manchmal ist es an der Börse genauso wichtig, Risiken zu begrenzen und Pulver trocken zu halten, wie neue Chancen zu nutzen. Ich bin gespannt, wie sich deine Wikifolios in den kommenden Wochen entwickeln.
Viele Grüße
Frank